Medien : Der britische Look

Mit „Undank ist der Väter Lohn“ setzt das ZDF die Elizabeth-George-Reihe fort

Kurt Sagatz

Sie dürfen nicht fehlen, die Bilder des aristokratischen, aber leicht verfallenen Großbritanniens. Auch in „Undank ist der Väter Lohn“ – der Verfilmung des gleichnamigen Elizabeth-George-Romans, mit der das ZDF die Reihe der amerikanischen Bestsellerautorin mit vier weiteren Stücken fortsetzt – geht es nicht ohne verwitterte Herrschaftshäuser mit versoffenen Landadligen und Ehrfurcht gebietenden Universtitätsansichten mit hochnäsigen Tutoren, die über alle, die nicht dazugehören, sagen: „Der war keiner von uns“. Diese Bilder mit dem „britischen Look“ (ZDF) gehören genauso dazu wie die eskalierenden Streitigkeiten zwischen dem blaublütigen Scotland-Yard-Inspector Thomas Lynley (Nathaniel Parker) und seiner eigenwilligen Assistentin Barbara Havers (Sharon Small), die nach einen Angriff auf eine Vorgesetzte nun zum Detective Constable degradiert wird und als uniformierte Polizistin Streifendienst schieben muss.

Dass dieser Zustand nicht allzu lange anhält, dafür sorgt der Mord an zwei Campern in den Hügeln von Derbyshire: Ein Kunststudent und die Tochter eines Ex-Polizisten werden auf grausame Weise getötet, Scotland Yard wird um Unterstützung gebeten. Genauso wichtig wie die Frage nach dem Täter ist jedoch: Was ist das eigentliche Ziel des Mordes? Der mittellose Kunststudent, der plötzlich zu Geld und einem neuen Motorrad gekommen ist? Oder doch das junge Mädchen, mit deren Mord der Täter Rache an ihrem Vater nehmen wollte? Wie bei Elizabeth George nicht anders zu erwarten, sind weder die potenziellen Täter noch die Opfer das, was sie zu sein scheinen. Hinter jeder Figur steckt mindestens ein Geheimnis. Und obwohl DC Havers eigentlich nur hinzugezogen wurde, um in den Archiven der einheimischen Polizei Akten zu durchforsten, kommt gerade ihr die Aufgabe zu, jenen Spuren nachzugehen, die am Ende zur Lösung führen. Wie sie sich dabei sämtlichen Befehlen von Lynley und anderen Vorgesetzten widersetzt und zu jeder Gelegenheit aneckt, macht einen großen Teil des Reizes der neuen Folgen aus. Zumal die späteren Romane von Elizabeth George weit hinter der Subtilität der ersten Bücher zurückbleiben. So bleibt die Auseinandersetzung mit den Themen Prostitution und Homosexualität, um die es dem Anschein nach geht, auch eher an der Oberfläche, denn die eigentlichen Beweggründe für die Morde liegen an anderer Stelle.

Spannend an den neuen Folgen sind jedoch nicht nur die Handlung und der Konflikt zwischen Lynley und Havers, spannend daran ist auch die Entstehungsgeschichte. Denn von Elizabeth George stammt neben „Undank ist der Väter Lohn“ nur die Vorlage zu „Nie sollst du vergessen“. Die beiden anderen Folgen „Denn sie dürsten nach Gerechtigkeit“ und „Dem Manne sei untertan“ basieren nur auf den Charakteren der Autorin, die der BBC die Rechte an ihren Figuren zur Verfügung gestellt hat. Die BBC-Autoren hatten danach die dankbare Aufgabe, das genauso ungewöhnliche wie erfolgreiche Ermittlerduo nahtlos in die eigene Handlung einzupassen. Was ihnen vor allem wegen der nach wie vor hervorragenden Besetzung gut gelungen ist.

„Undank ist der Väter Lohn“: ZDF, Ostersonntag, 21 Uhr 50. Die nächsten drei Filme folgen an den kommenden Sonntagen, jeweils um 22 Uhr

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