Medien : Der einzige Brasilianer

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DAS SPIEL IST AUS!

Seltsam, Edgar Endress zu hören. Er berichtet im Radio vom Viertelfinale England – Brasilien. Eigentlich ist man ihn ja als Co-Kommentator von Günther Koch bei den Champions-League-Spielen der Bayern gewöhnt; da darf er immer ran, wenn der Ball irgendwie an der Mittellinie herumtrudelt und Koch ihm einigermaßen beruhigt das Mikrofon überlässt. Was würde Günther Koch aus einem Spiel zwischen England und Brasilien machen! Warum darf Edi hier sprechen? Was geht da vor im Bayerischen Rundfunk? Die Binnendynamik in den Medieninstitutionen ist von außen ja nie nachzuvollziehen, es geht selten um objektive Fähigkeiten, sondern um hierarchisches Gezänk, um Neid, um Intrigen. Aber wie sagte Rudi Völler doch so schön? „Wenn es darum gehen würde, dass die beste Mannschaft Weltmeister wird, dann wäre Brasilien schon 14 Mal Weltmeister geworden!“

Günther Koch ist der einzige deutsche Brasilianer an den Rundfunkmikrofonen, und deswegen ist es im Sinne der Deutschen konsequent, dass er draußen bleiben muss. Endress bemüht sich zunächst auch tapfer, die Engländer besser zu finden: wie glänzend ihre zwei Abwehrketten stehen, wie bravourös Mills dazwischengeht, wie sicher sie den Ball wegschlagen – bei den Brasilianern bemängelt er hingegen, wie wenig bei ihnen zusammenläuft. Das ist beste bayerische Schule, Gerd Rubenbauer damals hat solange die „brotlose Kunst“ der Brasilianer verdammt, bis sie Weltmeister wurden, und danach immer noch nicht aufgehört.

Interessant, wie Edi dann in der zweiten Halbzeit lavieren musste. Er schwenkte zwar nicht direkt um, zeigte sich aber doch von den Engländern enttäuscht. Da hatten die Brasilianer einen Mann weniger, und die Engländer nutzten diese Chance nicht. Ob das auch eine geheime Selbstkritik war? Dass die Brasilianer besser waren, kam Edi jedenfalls nicht so recht über die Lippen. Denn dann hätte ja auch Günther Koch zur WM fahren dürfen. Helmut Böttiger

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