Medien : Der Elch-Test

RTL versucht es noch mal mit „Deutschland sucht den Superstar“

Markus Ehrenberg

Die Lust, sich von Dieter Bohlen vor Millionen Zuschauern fertig machen zu lassen, scheint ungebrochen. Über 14000 Menschen haben sich in den vergangenen Monaten beim Casting zur dritten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) vorgestellt. „Zwischen besoffener Elch und verrückter Frosch“ ist noch eine der harmloseren Einschätzungen, die Juror Bohlen für die Sangeskünste eines Kandidaten auf Lager hat. Vielleicht werden es diese Sätze mal ins Lexikon der geflügelten Fernsehworte und in manch’ Harald-Schmidt-Show schaffen, vielleicht wird das aber auch das Einzige sein, was von der dritten „DSDS“-Staffel im Gedächtnis bleibt.

„Deutschland sucht den Superstar“ ist wieder da. Das Erste, was einem dabei einfällt: Will man wirklich wochenlang Erfurter, Wuppertaler, Münchner sehen, die sich mühen, beim ersten Casting den richtigen Ton zu treffen, dazu ab und an ein guter Spruch von Dieter Bohlen? Fällt RTL nichts Neues ein, außer dem Relaunch der „größten Castingshow Deutschlands“, einer sicher mal sprudelnden, aber allmählich doch versiegendenden Geldquelle? Fakt eins: Das Finale des Originals sahen vor zwei Jahren 15 Millionen Zuschauer, hatte in der Endrunde Quoten von mehr als 40 Prozent. „DSDS“ war das TV-Event 2003, gewann den Deutschen Fernsehpreis. Klaws Hit „Take Me Tonight“ stand monatelang auf Platz 1 der Charts. Alle waren beseelt von dem Gedanken, als Popstar die Bühnen der Welt zu betreten und viel Geld zu verdienen. Fakt zwei: Genauso, wie es mit der Karriere Alexander Klaws weiter ging, sackte die zweite Staffel ab. Das Finale im März 2004 wollten noch 6,2 Millionen Menschen sehen. Von Siegerin Elli Erl spricht heute kein Mensch mehr.

Umso erstaunlicher, dass die neue RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt auf „DSDS“ setzt. Schäferkordt wollte frischen Wind ins Programm des leicht kriselnden Privatsenders bringen. Neue Formate, Mut, Innovationen. Bislang sah man bei RTL davon recht wenig, außer „Domino Days“ und das x-te Quiz mit Günther Jauch. Die „Dschungelshow“ soll’s auch wieder geben, doch die wurde erst mal verschoben. Es gibt wohl keine B- und C-Promis mehr, die auf Würmer scharf sind. Möglicherweise wartet man ab, ob die Zuschauer überhaupt noch Lust auf mehrmonatige Formate aus den Bereichen Castingshow/Reality/Trash haben, siehe auch „Big Brother“ und die Debatte ums Unterschichtenfernsehen. Die Erwartungen an eine Wiederbelebung von „DSDS“ sind jedenfalls hoch, nicht nur bei RTLund Plattenindustrie (BMG Entertainment). Bei „DSDS“ geht es um Marktanteile, um PR, um Boulevardbegleitmusik zu Stars und Sternchen, um viel Geld. Schätzungen zufolge verdienten RTL und die Dachgesellschaft mit Werbung, Telefonvoting und CD-Umsätzen rund 100 Millionen Euro.

Immerhin: Mit Marco Schreyl wurde dem ZDF ein Moderatorentalent weggekauft. Vorgänger Carsten Spengemann wird man nicht wirklich vermissen. An Schreyls Seite die Niederländerin Tooske Ragas, als Blickfang ein nicht ganz ausreichender Michelle-Hunziker-Ersatz. Und natürlich der unvermeidliche Dieter Bohlen, der mit den Mitjuroren Sylvia Kollek und Heinz Henn aus 14000 Bewerbern 120 Beste aussieben muss. „DSDS 3“ soll schneller auf den Punkt kommen. Offener sein für musikalische Stilrichtungen, abseits des Mainstream. Und hübscher aussehen. Von wegen Methusalem-Komplott. „DSDS“-Teilnehmer dürfen „nicht wesentlich älter aussehen“ als 30. Die Kandidaten wohlgemerkt, nicht die Jury. Derart frisiert wird die Castingshow bis Ende des Jahres zweimal die Woche über den Bildschirm geschickt, am 7.1. starten die Samstagabendmottoshows mit zehn Finalisten. Im März die Entscheidung mit der Wahl des neuen Superstars. Der Sieger erhält einen Plattenvertrag.

„DSDS ist eines unserer wichtigsten Projekte“, sagt RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger. Mit der Quoten-Vorgabe, die Anke Schäferkordt gemacht hat, dürfte es das Projekt wohl bis Frühjahr 2006 schaffen. Jede RTL-Sendung, so Schäferkordt, muss einen Marktanteil von 17 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer erzielen, damit sie die Chance auf Fortsetzung hat.

Das Problem ist nur: „DSDS“-Überlebenden hilft das oft wenig. Daniel Küblböck musste sich von der Plattenfirma verabschieden, landete mit dem Film „Daniel – Der Zauberer“ einen beachtlichen Flopp und blieb durch den Unfall mit dem Gurkenlaster im Gespräch.

„Deutschland sucht den Superstar“, RTL, 20 Uhr 15

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