Medien : "Der Fall Liebl": Der lange Weg nach Straubing

Michael Burucker

Ein wenig erinnert "Der Fall Liebl" (3sat um 23.00 Uhr) an den Teufelskreis, in dem Schuster Voigt aus Köpenick steckte: Ohne Bleibe keinen Pass und ohne Pass keine Bleibe. Auch Gerson Liebl aus Togo führt mit den deutschen Behörden seit einem Jahrzehnt einen schier aussichtslosen Kampf um seine Anerkennung als deutscher Staatsbürger. Er ist Enkel eines Straubinger Arztes, der einige Zeit in Afrika arbeitete, dort eine Häuptlingstochter ehelichte, mehrere Söhne zeugte, was ihn jedoch nicht davon abhielt, in die Heimat zurückzukehren und dort erneut zu heiraten. Liebl tat nichts Verbotenes. Denn um "Mischehen" zu verhindern, gab es in den Kolonien keine Möglichkeit, nach deutschem Recht getraut zu werden. Landesübliche Trauungen dagegen galten im deutschen Kaiserreich als nichtig. Gerson Liebl, der sich in der Heimat seiner Väter ansiedeln möchte, kann also Papiere über eine Trauung seiner Großeltern nicht vorweisen. Genau die aber bräuchte er, wenn er als Deutscher anerkannt werden will. Dass "rassistische" Bestimmungen der Kaiserzeit, wie die Anwälte Liebls urteilen, bis heute rechtsgültig sind, wirbelte viel Staub auf. Michael Verhoeven, Regisseur zahlreicher Filme zum Thema Zivilcourage, erfuhr von dem Fall aus einem "Monitor"-Beitrag. Er war so schockiert, dass er einen Dokumentarfilm drehte.

Das "Ich klage an" ist dem Film, in dem die mütterlich besorgte Stimme von Gattin Senta Berger das erwünschte Mitgefühl bringt, deutlich anzumerken. Flammende Empörung gehört wohl zu engagierten Filmen. Ob sie guter Ratgeber für einen Dokumentarfilm ist, erscheint allerdings fraglich. Stets muss latenter Rassismus herhalten, wenn Behörden Gesetze anders auslegen als seine Anwälte. Die Vielen, die ihm Böses wollen, sind nie zu sehen oder zu hören. Zweifellos gehören die monierten Gesetze auf den Müllhaufen der Geschichte. Um sie dorthin zu bringen, sind Petitionen an den Bundestag, wie sie die Anwälte formuliert haben, sicher hilfreicher.

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