Medien : Der Fernseh-Handwerker

Das ZDF feiert den Abschied des „Löwenzahn“-Moderators Peter Lustig

Thomas Gehringer

Siehe da, auf schöne Frauen fällt sogar Peter Lustig herein. Jana Olschewski (Bettina Zimmermann) von der Immobilienfirma Bunkenburg bietet ihm im Tausch für das Grundstück, auf dem seit 25 Jahren sein Bauwagen steht, ein Barock-Schloss auf dem Lande. Hier und da seien zwar noch ein paar Schönheitsreparaturen notwendig, „aber das entspricht ja ganz Ihrer Lebensart“, säuselt die Maklerin mit Blick auf Peters kurioses Zuhause. Und Lustig zuckelt mit seinem Bauwagen davon – in die vermeintliche Zukunft als Schlossherr.

Er räumt ja wirklich das Feld: An diesem Wochenende gibt Peter Lustig, das Herz und die Seele der ZDF-Kinderreihe „Löwenzahn“, seinen offiziellen Ausstand. Nach einer langen „Löwenzahn“-Nacht, einem Making-off am Sonntagmorgen und nach der Wiederholung der achten von über 200 Folgen als Höhepunkt der 70-minütige Spielfilm „Die Reise ins Abenteuer“. Der 67-jährige, gesundheitlich angeschlagene Peter Lustig dreht keine neuen „Löwenzahn“-Folgen mehr. Vorerst läuft die Reihe mit ihm aber noch weiter. Außerdem sucht das ZDF einen Nachfolger. Der wird es nicht leicht haben und muss gewiss eine neue Figur erfinden, denn Peter Lustig ist nicht zu kopieren. Der private und der berufliche Lustig, „das ist gar nicht mehr auseinander zu puzzeln“, sagt er mit derselben leisen, etwas nuscheligen Stimme wie bei „Löwenzahn“.

Peter Lustig packte das junge Publikum bei seinem Wissenshunger. Die Kinder hätten sich gar nicht verändert, sagt er. „Der Grundbedarf ist noch genauso wie vor 100 Jahren: Kinder sind neugierig, wollen etwas erzählt bekommen, wollen immer noch gerne basteln und kreativ sein. Aber sie haben es schwerer als früher, weil es ihnen zu leicht gemacht wird: Alles wird ihnen fertig vorgesetzt.“ Am liebsten hätte es Peter Lustig gehabt, wenn sich die Kinder gleich nach der Sendung hinsetzen und alles einmal selbst ausprobieren.

„Abschalten“, forderte er sein Publikum am Ende unverhohlen auf, und das war bei allem Augenzwinkern durchaus ernst gemeint. „Die Kinder gucken zu viel fern. Natürlich bin ich selbstbewusst genug zu sagen, ,Löwenzahn’ ist gut. Aber ich bin wie Günther Jauch der Meinung: Fernsehen macht Schlaue schlauer und Dumme dümmer.“ Das klingt für einen, der vom Fernseh-Machen lebt, etwas widersprüchlich. Doch Peter Lustig ist kein Pädagoge, „Löwenzahn“ hat keinen theoretischen Überbau. Peter Lustig hat einfach getan, was ihn selbst interessierte. „Ich höre nur auf meinen Bauch und bin im Grunde ein Kind geblieben.“

Dabei war seine eigene Kindheit nicht leicht. Er wird am 27. Oktober 1937 in Breslau geboren. Sein Vater stirbt früh, er ist ein Jahr alt. Seine Großeltern ziehen ihn groß, nehmen ihn auf der Flucht aus der schlesischen Heimat mit, ehe er in Hamburg wieder mit seiner Mutter zusammenkommt. Bevor er zum Fernsehen stößt, hat Lustig schon als Dreher, Fräser, Elektromechaniker und -ingenieur, Tonmeister, Kellner, Kneipier und Künstler gearbeitet.

Peter Lustig, der in dritter Ehe verheiratet ist, hat vier Kinder und vier Enkel. „Ich stoße an die Grenzen meiner körperlichen Fähigkeiten, bekomme mit meiner halben Lunge manchmal zu wenig Luft“, sagt er. Seine schwere Lungenerkrankung zwingt ihn dazu, kürzer zu treten. Aber „Löwenzahn“ mit halber Kraft, das geht nicht. „Ich bin Handwerker, und das Handwerk muss gut sein.“ In seinem Abschiedsfilm hat er noch einmal seine ganze Detailliebe gezeigt. Im vermeintlichen Märchenschloss angekommen, muss er erkennen, dass er eine rechte Bruchbude erworben hat. Er kehrt wieder um. In Einschüben wird erläutert, wie es früher in Ritterburgen zuging, wie das satellitengestützte Ortungssystem GPS funktioniert und wie Pferde zu pflegen sind. Einige prominente Schauspieler erweisen dem stillen Star des ZDF-Kinderprogramms ihre Reverenz: „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär und Leonard Lansink, der den „Wilsberg“ spielt. „Morgenmagazin“-Moderator Cherno Jobatey übernahm ebenso eine kleine Nebenrolle wie ZDF-Intendant Markus Schächter, der als Gast einer Imbissbude ein paar Sätze sagen darf. Am Ende taucht noch ein Immobilienmakler im Bärstädter Elchwinkel auf, und Peter Lustig wird zum ersten Mal in 25 Jahren handgreiflich.

„Die lange ,Löwenzahn’-Nacht“, ZDF 1 Uhr 05 (bis 6Uhr50); „Löwenzahn blickt hinter die Kulissen“: Sonntag, 8 Uhr 45; „Ein neues Zuhause“, 10Uhr 15; „Die Reise ins Abenteuer“,10Uhr 45

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