Medien : Der geteilte Fußball

Die ARD zeigt die Bundesliga am Sonnabend, das Deutsche Sport-Fernsehen die beiden Spiele am Sonntag

Joachim Huber

Die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga sind neu verteilt. Die ARD wird von der kommenden Saison an in der „Sportschau“ die sieben Spiele am Sonnabend ab 18 Uhr 10 zusammenfassen. Das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) zeigt die beiden Partien am Sonntag ab 19 Uhr in seiner Sendung „Bundesliga – Die Sonntagsspiele“. Live übertragen werden alle Spiele vom Abo-Sender Premiere, bis auf jene zwei, die das Erste zeigen wird, darunter am 1. August das Gastspiel von Eintracht Frankfurt beim FC Bayern München. Sowohl die ARD als auch das DSF haben mit dem Rechteinhaber Infront für die Saison 2003/2004 fest abgeschlossen, für die beiden nächsten Spielzeiten haben sich der öffentlich-rechtliche wie der private Sender eine Option einräumen lassen. Damit ist ein erneuter Rechte- und Preispoker bereits für die Saison 2004/2005 möglich.

Millionen für die Liga

Zur Preissumme des DSF hieß es aus dem Sender, sie werde für Lizenz und Produktion elf Millionen Euro betragen. Die ARD zahlt nach eigenen Angaben 60 Millionen Euro für eine Saison, allerdings sind mit diesem Betrag auch die Anschluss-Verwertungen nach der „Sportschau“ beispielsweise in den Dritten Programmen abgedeckt.

Die Bundesliga-Sendung des Deutschen Sport-Fernsehens wird wohl nicht alle Haushalte in Deutschland erreichen können. Die Reichweite des DSF wird mit bundesweit 91,3 Prozent angegeben, was nach Aussage von Sendersprecher Jörg Krause „eigentlich eine Vollverbreitung ist“. Eigentlich auch wieder nicht, denn nicht alle Haushalte in Deutschland, die Fernsehen nur über Antenne empfangen können, empfangen auch das DSF. Deswegen bemühe sich der Sender bereits um Aufnahme in das DVB-TV-Paket für Berlin und Teile Brandenburgs, sagte Krause. Als Bundesliga-Experte sei Paul Breitner engagiert, mit Udo Lattek verhandele man über einen neuen Vertrag.

„Die Freude ist groß. Der Erwerb der Erstrechte der Sonntagsspiele ist ein Meilenstein und ein einmaliger Erfolg in unserer Geschichte“, sagte Geschäftsführer Rainer Hüther. „Es ist der nächste sehr wichtige Schritt in der strategischen Ausrichtung zum reinen Sportsender mit Schwerpunkt Fußball. Dem DSF bietet sich eine große Chance, die wir mit Kompetenz und Kreativität umsetzen werden.“ Geplant ist ein so genannter „Super- Sonntag“ mit fast vier Stunden Fußball. Ab 16 Uhr 30 Uhr werden die sieben Samstagsspiele noch einmal aufgearbeitet und die Sonntagsspiele mit Schaltungen in die zwei Stadien anmoderiert, ab 17 Uhr 30 zeigt das DSF wie bisher in „Hattrick“ die fünf Spiele der zweiten Bundesliga. Von 19 Uhr bis 20 Uhr 15 werden dann die zwei Erstliga- Spiele übertragen – wie bisher in Sat 1.

Comeback der „Sportschau“

Für die ARD bedeutet der Vertragsabschluss mit der Infront AG ein Comeback der „Sportschau“ nach 15 Jahren. „Nach harten Verhandlungen sind wir zu einem fairen Ergebnis gekommen, die Erleichterung ist groß“, erklärte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Jobst Plog. „Die ARD zahlt deutlich weniger für die Highlight-Berichterstattung als bislang Sat 1.“ Zugleich betonte Plog, dass dem Gebührenzahler durch die Rechtekosten von 60 Millionen für die Bundesliga keine zusätzlichen Kosten entstünden: „Wir werden die Rechte in jedem Fall vollständig abdecken: durch Werbung, durch Einsparungen für das Programm, das derzeit samstags am Vorabend läuft, und durch Weitergabe von Fußballrechten.“ Dafür hätten sich bereits erste Interessenten gemeldet. Darunter wird auch der Privatsender RTL sein, der bislang als einziger großer Free-TV-Sender ohne Fußball dasteht (Sat 1 hat die Champions League) und sich für Pokal- und Uefa-Cup-Rechte interessiert.Das ZDF wird weiter als Zweitverwerter im „Sportstudio“ über die Bundesliga berichten.

Die neue ARD-„Sportschau“ soll wie früher vom WDR aus Köln gesendet werden. Als Moderatoren sind Reinhold Beckmann und Gerhard Delling geplant, als Stadion-Reporter für das so genannte „Spiel des Tages“ sind Waldemar Hartmann und Michael Antwerpes im Gespräch. Hartmann, freier Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens, hatte sich ebenfalls Chancen auf eine Moderatoren- Stelle ausgerechnet: „Unter Fortführung meiner Moderatoren-Tätigkeit beim Fußball in der ARD hatte ich mir etwas anderes vorgestellt“, sagte Hartmann dem Tagesspiegel.

Alle Probleme scheinen gelöst – nur der Rechte-Inhaber Infront hat nicht alles erreicht. Insgesamt 290 Millionen Euro hat die Agentur der Liga für die kommende Saison garantiert, die angestrebte volle Refinanzierung aber ist nicht gelungen. Rund 25 Millionen Euro wird Infront drauflegen müssen.

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