Medien : Der Hochstapler Gert Postel

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Der Mann hat Charme, Witz, Einfallsreichtum. Eigenschaften, die er benutzt, um das auszugleichen, was er nicht hat – eine akademische Laufbahn, Doktortitel. Die Betrügereien des Gert Postel erstaunen die Republik seit Anfang der 80er. Wie nähert man sich diesem Menschen, ohne der Charme- und Lügenoffensive zu erliegen? Für Regisseur und Autor Kai Christiansen war das die entscheidende Frage, als er das NDR-Dokudrama „Der Unwiderstehliche – Die 1000 Lügen des Gert Postel“ (ARD, 23 Uhr) plante. Denn meist kommt der Postbote Postel, der sich als Gerichtsgutachter, doppelt promovierter Amtsarzt oder Oberarzt ausgab, in der Öffentlichkeit gut weg: als sympathischer Hochstapler in der Tradition eines Felix Krull.

Christiansen entfernte sich deshalb zunächst von seiner Hauptfigur und befragte die Betrogenen: ehemalige Kollegen, Patienten, Anwälte, Partnerinnen. Erst danach interviewte er Postel. Und stellt Aussage gegen Aussage: Psychiatrie sei etwas, „was jede dressierte Ziege lernen kann“, sagt der Arzt- Darsteller. Weniger lustig ist die Aussage einer früheren Patientin, die Postels Methoden kritisierte und der deshalb mit der Einweisung in die geschlossene Abteilung gedroht wurde. Da viele der Getäuschten nicht vor die Kamera treten wollten, werden Hintergründe der Story mit Uwe Bohm als Gert Postel eingespielt. Postel wurde 1999 zu vier Jahren Haft verurteilt. Seit 2001 ist er wegen guter Führung auf freiem Fuß. ock

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