Medien : Der Journalist, dein Feind und Helfer

Eine Podiumsdiskussion zum Verhältnis von Medien und Politik

Antje Kraschinski

„Es ist hart, wenn man als Politiker von der Presse wie ein Krimineller behandelt wird“, sagte der englische Labourabgeordnete und frühere BBC-Reporter Ben Bradshaw. Er kritisiere zwar den Krawall-Journalismus vieler englischer Medien, wünsche sich aber, dass deutsche Journalisten „weniger obrigkeitshörig“ mit Politikern umgingen. Mit dieser Aussage eröffnete Bradshaw die Podiumsdiskussion zu der Frage „Journalisten und Politiker: Natürliche Feinde?“ Auf Einladung der Britischen Botschaft debattierte Bradshaw mit dem „Frontal 21“-Moderator Theo Koll und dem Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ Claus Strunz, der neben Andrea Fischer neuer Gastgeber der n-tv-Talkshow „Grüner Salon“ ist.

Bradshaws Statement verblüffte angesichts der Hetzkampagne, mit der er nach seinem öffentlichen Bekenntnis zur Homosexualität überzogen wurde. Trotzdem meint er: Politiker sollten weniger empfindlich sein und stattdessen eine transparente, offensive Medienstrategie verfolgen. Angesichts einer „24-Stunden Medienwelt“ gäbe es ohnehin kein Zurück mehr.

Auch Theo Koll, früher langjähriger Leiter des ZDF-Studios in London, unterstrich die Bedeutung der Medien für die Politiker und kritisierte einmal mehr die „Kernerisierung“ des deutschen Fernsehens. So würden sich manche Politiker, als Beispiel nannte er den früheren Verteidigunsminister Rudolf Scharping, zwar gern in harmlose Talkshows begeben, aber politischen Magazinen Interviews verweigern. Dennoch, Feinde seien Journalisten und Politiker nicht, sondern „Gegner, die ein Zweckbündnis eingehen“.

Claus Strunz mochte ebenfalls nicht von Feindschaft sprechen. Vielmehr seien Journalisten und Politiker „vollwertige Geschäftspartner“, die nach „dem Marktgesetz Angebot und Nachfrage über Neuigkeiten und Zeitvorsprünge“ verhandelten. Wobei es die Tendenz gäbe, dass „der Auskunftsgeber glaubt, die Regeln bestimmen zu können. Nach dem Motto: Du bekommst diese Geschichte, dafür lässt du die andere, kritische weg.“ Er forderte, Journalisten sollten aufhören, „sich klein zu machen“. Auch das „unsägliche Verfahren“, Interviews autorisieren zu lassen, müsse aufhören.

In der anschließenden Diskussion mit den rund 70 anwesenden Journalisten wurde auf die zunehmende Nachrichtensteuerung durch PR-Berater aufmerksam gemacht. So sei es doch kein Zufall, dass die Schwangerschaft von Shawne Borer-Fielding gerade dann der Presse bekannt gegeben wurde, als die angebliche Sexaffäre ihres Ehemanns in die nächste Runde des gerichtlichen Nachspiels ging.

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