Medien : Der letzte Tanz

Neue Mankell-Verfilmung mit Tobias Moretti als Kommissar

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Der Mord, mit dem die Bestsellerverfilmung beginnt, hat die Feierlichkeit einer Zeremonie und die Brutalität eines Rachefeldzugs. Als die Polizei in dem abgelegenen Haus in Nordschweden erscheint, findet sie den pensionierten Polizeiinspektor Herbert Molin in einer Blutlache. Die blutigen Fußspuren auf dem Holzboden deuten darauf hin, dass der Mörder sein Opfer noch zu einem letzten Tanz gebeten hat.

Molin war ein früherer Kollege von Kommissar Stefan Lindmann (Tobias Moretti). Um ihn dreht sich der düstere Krimithriller, um sein desolates Privatleben und seine Angst vor dem Tod. Denn gleich zu Beginn erfährt Lindmann, dass er Zungenkrebs hat. Als dann die Nachricht vom Tod seines Ex-Partners eintrifft, lässt er Freundin und Kind mit den Tickets nach Mallorca zurück, um sich in die Ermittlungen der Provinzkollegen einzumischen. „Der Lindmann ist eine merkwürdige Figur“, sagt Tobias Moretti über den Nachfolger des berühmten Mankell-Kommissars Kurt Wallander. „Er kommt mit seinem eigenen Leben schwer zurecht.“ Lindmann entdeckt, dass Molin bei der Waffen-SS gedient hat und bis zuletzt ein begeisterter Hitler-Anhänger war. Und bald watet er durch einen Sumpf von alten und jungen Nazis, die ein internationales Netzwerk installiert haben. Als Molins attraktive, aber zwielichtige Tochter Veronica (Veronica Ferres) aus Frankfurt auftaucht, beginnt für ihn eine Achterbahnfahrt.

„Durch seine tödliche Krankheit bekommt er noch einmal eine Gier auf Leben, auf etwas, das man festhalten kann“, erklärt Moretti, der die Rolle als eine Mischung aus depressivem Desperado und energiegeladenem Actionheld spielt. Autor Henning Mankell sagt über die Figur: „Zungenkrebs ist eine fast lächerlich erscheinende Krankheit. Die Bedrohung wird erst klar, wenn man weiß, dass die Krebsart zu den tödlichsten gehört. Mit dem Wissen darum wird Lindmann unberechenbar. Er braucht den Tod nicht mehr zu scheuen. So wird sein fast aberwitziger Aktionismus logisch.“

Ein zweiter Erzählstrang widmet sich dem Argentinier Fernando Hereira (mit Zopf: Maximilian Schell), der während der Ermittlungen durch die einsamen schwedischen Wälder geistert. Er heißt eigentlich Aaron Silberstein und hat in den 30ern in Berlin gelebt, wo sein Vater Tanzlehrer war. Eine schöne, geheimnisvolle Figur, die auf ihre eigene Art mit dem Leben abrechnet, irrlichternd zwischen Alterswahnsinn und Lebensklugheit.

In bewährter Weise beschäftigt sich Henning Mankell auch in seinem ersten Wallander-losen Krimi mit brisanten gesellschaftlichen Themen: Judenverfolgung, Altnazis und die Gefahr weltweit agierender Neofaschisten. „Er ist für mich ein moralisches Gewissen unserer Zeit“, sagt Ferres über den Erfolgsautor. „Er hat ein Gespür für sozialkritische Themen, und die erzählt er in seinen Figuren ganz pur und gnadenlos. Das ist in diesem Fall das Neonazi-Gedankengut, das in gewissen bürgerlichen Kreisen schick geworden ist, und das nicht nur in Schweden.“ Um dem Anspruch einer internationalen TV-Großproduktion gerecht zu werden, wurden für die Nebenrollen namhafte schwedische und britische Darsteller wie Bibi Andersson, Michael Byrne und John Wood verpflichtet. Regie führte Urs Egger („Opernball“), hinter der Kamera stand Martin Kukula („Good bye, Lenin!“). Die österreichische Produktionsfirma Lisa Film, die sonst eher auf Seichtes abonniert ist, realisierte hier einen spannenden Albtraum, der einen eigenen Sog entfaltet. sis

„Die Rückkehr des Tanzlehrers“, heute und am Karfreitag, jeweils 20 Uhr 15, ARD

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