Medien : Der Schlüssel zum Glück

Bundesliga live und Champions League: Arena, DSF und Premiere stellen sich auf

Markus Ehrenberg

Für das Medienunternehmen Arena war es der „Deal des Jahrhunderts“: die vor ein paar Monaten erworbenen Bundesliga-Live-Rechte. Doch je näher die Saison 2006/2007 rückt, desto mehr Fragen tauchen auf. Wie soll dieser Deal konkret aussehen? Was bis zum Ende dieser Saison noch vom Pay-TV-Sender Premiere veranstaltet wird, zur Freude von rund vier Millionen Abonnenten, wandert in ein paar Monaten zu einem bis dahin vollkommen unbekannten Sender. Die Berichterstattung von Premiere hat hohe Maßstäbe gesetzt. Live-Übertragung, Bundesliga-Konferenz, Kamera, Regie, journalistische Qualität, Moderatoren, eloquente Köpfe wie Ottmar Hitzfeld und Marcel Reif – nur langsam verdichten sich die Zeichen, wie Arena all das über den Bildschirm bringen will.

Zum Beispiel mit Dejan Jocic, der vor ein paar Monaten als Geschäftsführer bei Pro 7 zurückgetreten war. Noch ist die Personalie des neuen Arena-Chefs nicht endgültig geklärt, aber „die Chancen für Jocic stehen gut“, sagt Arena-Sprecherin Susanne Jahrreiss. Jocic müsste in wenigen Wochen ein Moderations- und Redaktionsteam aus „100 festen und freien Leuten“ zusammenstellen. Möglich, dass sich darunter arrivierte Premiere-Reporter befinden, wahrscheinlicher ist, dass Arena auf frische Kräfte setzt. „Wir haben viele Bewerbungen.“ An den von Premiere-Chef Kofler genährten Spekulationen, dass Premiere doch noch Bundesliga-Spiele übertragen könnte, ist laut Jahrreiss wenig dran. „Wir stehen in keinen aktiven Verhandlungen.“

Premiere muss den Laden aber auch nach dem „Deal des Jahrhunderts“ nicht zumachen. Der Bezahlsender hat die Exklusiv-Rechte an der Champions League bis 2009, auch im Free-TV. Am Dienstag wurde bekannt, was seit Tagen durch die Medien geisterte. 13 Spiele der Königsklasse werden von der kommenden Saison an live im Deutschen Sport Fernsehen (DSF) übertragen. Premiere wird das dreistündige Programm mit einem Live-Spiel und einer Zusammenfassung komplett selbst produzieren und beim DSF unter dem Namen „Champions TV“ ausstrahlen lassen.Weiter frei empfangbarer europäischer Spitzenfußball also, die Sache hat jedoch einen Haken. Fußballfans werden deutlich weniger Partien mit deutschen Mannschaften im Free-TV anschauen können. Nächsten Dienstag beispielsweise überträgt Sat1 die Achtelfinal-Partie Bayern München gegen AC Mailand. Im nächsten Jahr wird so ein Spiel verschlüsselt zu sehen sein. Premiere will möglichst viele der attraktiven Spiele im Pay-TV übertragen und nur Minimalforderungen des europäischen Fußball-Verbandes UEFA erfüllen.

In der Vorrunde muss lediglich eine Partie jeder qualifizierten deutschen Mannschaft im Free-TV gezeigt werden. Das wären maximal drei Partien, nach derzeitigem Stand also jeweils ein Spiel von Bayern München, Hamburger SV und Werder Bremen. Im Klartext heißt das: Da es für die K.o.-Runde keine Auflagen gäbe, wäre ein heimisches Team erst wieder im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen, wenn es das Finale erreicht.

Trotzdem ein gutes Geschäft für den Spartenkanal DSF (Marktanteil: 1,2 %). Für Geschäftsführer Rainer Hüther sind die Beschränkungen kein Problem. „Premiere kann sich im Free-TV über uns erstmals einem größeren Publikum präsentieren. Ihnen wird daran gelegen sein, dass auf DSF nicht nur Spiele wie Panathenaikos Athen gegen Kiew laufen.“

Das böse Erwachen dürfte dennoch kommen. Wer durchgängig guten Champions-League-Fußball live sehen will, wird um Premiere-Decoder (oder eine Sportsbar) nicht herumkommen. Und für Bundesliga live braucht es einen zusätzlichen Pay-TV-Vertrag. Mit Dejan Jocic als Arena-Mann und Garanten für gute Sport-Unterhaltung könnte sich das zwar lohnen. Wie teuer so ein Arena-Abo allerdings letztlich sein wird (erste Werbung: „Live-Fußball für unter 20 Euro!“) und über welche Wege die Programme in die Haushalte kommen, will die Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media erst in ein paar Wochen mitteilen. Arena/Unity Media erreichen acht Millionen Haushalte. Zum Vergleich: Marktführer Kabel Deutschland hat rund 14 Millionen Kunden, Deutschland 35 Millionen Fernsehhaushalte. Die Deutsche Fußball Liga fordert für Bundesliga-Berichte eine Reichweite von 40 Prozent. Man sei sicher, 80 Prozent zu erreichen, so die Arena-Sprecherin. „Wir stehen in Verhandlungen mit Kabel Deutschland und dem Satellitenbetreiber Astra.“ Wenn’s damit nicht so gut klappt, bleibt immer noch die Zusammenfassung in der „Sportschau“.

Wirtschaft, Seite 17

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