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Der Staatsbesuch im Fernsehen : Nach der Queen ist vor der Queen

Viel Wartezeit beim Staatsbesuch: Wie das demokratische Medium Fernsehen den royalen Besuch zelebriert. Eine TV-Kritik.

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Auf Bilder wie dieses haben die TV-Zuschauer gewartet: Queen Elizabeth II. beim Empfang durch Bundespräsident Gauck.
Auf Bilder wie dieses haben die TV-Zuschauer gewartet: Queen Elizabeth II. beim Empfang durch Bundespräsident Joachim Gauck.Screenshot: Tsp

Es kann nur einen Experten des britischen Königshauses geben, und das ist und bleibt Rolf Seelmann-Eggebert, der schon beim ersten Staatsbesuch von Queen Elizabeth II. dabei war und nun auch bei ihrer fünften offiziellen Visite in Deutschland den ARD-Zuschauern die Eigenheiten der englischen Monarchie erläuterte. Über jeden Aspekt des königlichen Lebens kann Seelmann-Eggebert aus eigener Anschauung plaudern. Unaufgeregt, jedes Detail parat, bloß von einem hat er offensichtlich weniger Ahnung: von der Schifffahrt. „Jetzt fährt er wohl zurück“, kommentiert er das komplizierte Wendemanöver des Kapitäns hinterm Reichstag etwas unbeholfen.

Der Besuch der englischen Königin ist ein Fest für alle royalen Experten. Auf N24 werden Benimmregeln erläutert.
Der Besuch der englischen Königin ist ein Fest für alle royalen Experten. Auf N24 werden Benimmregeln erläutert.Screenshot: Tsp

Immerhin, zu diesem Zeitpunkt war die 89-jährige Queen bereits richtig angekommen, bei den Berlinern an der Spree und den Zuschauern vor den TV-Bildschirmen. Schon lange bevor die Königin vom Bundespräsidenten empfangen und später per Boot zu ihrem Treffen mit der Bundeskanzlerin befördert wurde, waren von ihr vor allem Aufnahmen aus den Konserven früherer Besuche zu sehen: Und jede Menge Expertentalks unterschiedlichster Qualität beispielsweise über Benimmregeln. In der Wartezeit vor dem öffentlichen Besuchsteil bestand die große Kunst vor allem darin, viel Sendezeit mit wenig aktuellem Inhalt zu füllen. Denn zur Hochform läuft das Fernsehen erst auf, wenn es Live-Bilder transportieren kann. Dann präsentiert es sich als durch und durch demokratisches Medium. Näher als durch die TV-Kamera kommen nur ganz wenige Menschen der Queen oder aber Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Der erste Tag war für die Zuschauer etwas enttäuschend

Am Dienstagabend hatten sich die Royalisten noch damit trösten müssen, dass nach der Queen vor der Queen ist. Die Live-Präsenz der englischen Monarchin bei ihrem Staatsbesuch in Deutschland hielt sich am ersten Tag in engen Grenzen. Nach dem Verlassen der gecharterten Maschine am Flughafen Tegel und dem kurzen Gang über den roten Teppich zum bereitstehenden Bentley gab es nur noch einen kurzen zweiten TV-Moment mit der Queen vor dem Hotel Adlon. Immerhin hatte die ARD auf einen Brennpunkt zum Queen-Besuch verzichtet.

Die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender hielt das freilich nicht von einer königlichen Sonderprogrammierung ab. Sat 1 hatte sich sogar ein Queen-Double aus Eberswalde ins Frühstücks-TV-Studio geholt, die sich über ihr Müsli „not amused“ zeigte. Überhaupt: So viel Staatsbesuch gab es seit Barack Obamas Visite als US-Präsident wohl nicht mehr. Dieses Mal wurden die TV-Bilder mit royalen Kronen in den verschiedenen Bildschirmecken garniert statt mit wehender US-Flagge.

Das Interesse der TV-Zuschauer am Dienstag reicht nur für den 13. Platz

Das Interesse des TV-Publikums ging allerdings eher in eine andere Richtung. Noch am stärksten wurde am Dienstag die ARD-Sendung „Die Queen in Deutschland“ gesehen, die 2,76 Millionen Menschen verfolgten. In der Tageswertung kam sie damit allerdings nur auf den 13. Platz.

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