Medien : "Der Verleger": Der Echte war besser

Joachim Huber

Die Axel-Springer-Exegeten wiegen die Köpfe. "Der Verleger", der zweiteilige ARD-Film, soll an wenigen Stellen ungenau, ja falsch sein. Nun will die Regina-Ziegler-Produktion kein Seminar über den erfolgreichsten Nachkriegsverleger der Bundesrepublik abhalten. Massenattraktives Programmheißt das Gebot für das 20 Uhr 15-Fernsehen. "Der Verleger" schießt an diesem Ziel nicht vorbei. Aus Leben und Werk von Axel Cäsar Springer werden Daten, Wegmarken, Begleiter und Gegner zu einem chronologischen Stationen-Film verarbeitet. Eine Perlenschnur, glänzend poliert, mit feinen Einzelstücken. Das entwickelt Sogkraft, spannend ist es zudem. Ein Film der grobkörnigen Leitbilder: Springer - Homme de femmes, Springer - Sprudelquelle publizistischer Ideen, Springer - Magnet für Schmeichler und Speichellecker, Springer - der überaus selbstgewisse Mann, der sich doch nicht traute, über das Politisieren in seinen Zeitungen hinaus selbst in die Politik zu gehen.

Regisseur Bernd Böhlich hat, auf der Grundlage des Springer-Kanons von Michael Jürgs, einen Film gedreht, der nicht schwieriger zu begreifen ist als eine Ausgabe der "Bild"-Zeitung. Aber würde dieses Blatt die NSDAP mit "Nationalsozialistische Partei Deutschlands" übersetzen, wie es der ARD-Film gleich zu seinem Beginn tut? Bestimmt nicht. "Der Verleger" gräbt nicht in die Tiefe, Eindrücke will die Produktion hinterlassen, Fragen will sie kaum stellen. Wie viel Publikum überhaupt hat Fragen zu Axel Springer, der die "DDR" in Anführungszeichen setzen ließ, die deutsch-jüdische Aussöhnung aktiv vorantrieb und die 68er publizistisch niederknüppeln ließ.

Axel Springer ist 1985 gestorben, 2001 strahlt die ARD eine Art Biografie aus. Dieser Verleger ist kein Aufreger mehr, er ist ein bedeutender Teil der Nachkriegsgeschichte. Springer scheint Vergangenheit - aufgearbeitet und abgelegt in den Haltungen, die Zeitzeugen und Nachgeborene zu dieser Figur eingenommen haben. Selbstredend ein Stoff für ein Fernsehen, das ein pralles Leben in Schauwerten ausbreitet. Heiner Lauterbach, ein hervorragender Schauspieler, zeigt einen Springer light: großer Zeitungsmann mit dunklen Einsprengseln. Am Dienstag wollten nur 4,18 Millionen Zuschauer diesen "Verleger" zur Kenntnis nehmen. Friede seiner Asche?

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