Deutschland ärgert sich : Der schwarze Kanal

Die Chancen für Dirk Nowitzki im deutschen Free-TV stehen schlecht. Die amerikanische Basketball-Liga bevorzugt das Bezahlfernsehen.

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Basketball-Fieber. 21 Millionen TV-Zuschauer sahen in den USA den Sieg der Dallas Mavericks bei den Miami Heat. Bei ARD oder ZDF schaute man in die Röhre. Foto: AFP
Basketball-Fieber. 21 Millionen TV-Zuschauer sahen in den USA den Sieg der Dallas Mavericks bei den Miami Heat. Bei ARD oder ZDF...Foto: AFP

Es ist eigentlich paradox: Da feiert mit Basketball-Star Dirk Nowitzki ein deutscher Sportler einen ähnlich großen Triumph wie einst Steffi Graf, Michael Schumacher oder Boris Becker, und das deutsche Free-TV, das sich sonst kein massentaugliches Sport-Event entgehen lässt, ist nicht dabei. Wohl nicht nur Dirk Bauermann ist über diese schwarze Mattscheibe verärgert. Während in den USA in der Nacht von Sonntag auf Montag 21,07 Millionen Fans den Triumph der Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki im TV-Sender ABC verfolgten, wird der Basketball-Bundestrainer seinen Superstar wohl auch in der nächsten NBA-Saison live nur im Bezahlfernsehen bewundern können. Frei empfangbare Sender wie ARD/ZDF und Sat 1, die sich vergeblich um die Rechte der Finalserie zwischen den Mavs und Miami Heat bemüht hatten, haben kaum Hoffnung, dass sich an der ablehnenden Haltung der Profiliga NBA etwas ändern wird.

„Das müssen wir genau prüfen. Man muss sehen, die Spiele laufen nachts, und nicht jedes Vorrundenspiel ist interessant. Das Interesse konzentriert sich auf die Finalrunden“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Dienstag zu möglichen Rechteverhandlungen mit der NBA. Er sieht wenig Chancen, dass die Nordamerikaner ihre Politik wechseln. Die NBA hat die Live-Rechte in vielen europäischen Ländern an Pay TV-Sender verkauft. Dort sind deutsche Free-TV-Sender gut zu empfangen. Die NBA werde ihre Pay-TV-Partner schützen, vermutete Balkausky. „Sollte Dirk Nowitzki beim nächsten Male wieder dabei sein, werden wir uns eben wieder bemühen, aber es wird schwer“, sagte ZDF–Sprecher Thomas Stange.

Auch der Spartenkanal Sport1, der seit dem 19. Mai mehrere Partien der Play-offs inklusive des letzten Finales live im Pay-TV-Ableger Sport1+ gezeigt hatte, versprühte wenig Optimismus. „Natürlich ist die NBA ein hochattraktives Recht – insbesondere nach dem großen Erfolg von Dirk Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks“, hieß es dazu vom Sender. Die aktuelle Vereinbarung mit der NBA endete mit der Highlight-Zusammenfassung am frühen Dienstagabend im Free-TV. „Von daher können wir derzeit noch keine Angaben zu den kommenden Spielzeiten machen.“

Ob öffentlich-rechtlich oder privat, es ist ja nicht so, dass mit Basketball-Übertragungen kein Geld zu verdienen wäre. Der Triumph der Dallas Mavericks hat dem amerikanischen TV-Sender ABC eine gute Quote beschert. Der Marktanteil von 15 Prozent – in der werberelevanten Gruppe der 18- bis 49-Jährigen waren es sogar 22 Prozent – ist das dritthöchste Basketball-Rating für ABC. Der Sender überträgt bereits seit 2003 die Finalserie der NBA live.

Es ist davon auszugehen, dass hiesige Fernsehsender ähnlich hohe Marktanteile erzielen würden. Hierzulande konnte der Basketball-Fan aber höchstens noch über die kostenpflichtige Internetseite nba.com an dem Spektakel teilhaben oder zum Public Viewing gehen. Am nächsten Tag wurden die Sport-Seiten und Reportagen der Tageszeitungen studiert, um einen Hauch Endspiel-Atmosphäre zu schnuppern. Wie viele deutsche Nowitzki-Anhänger in der Nacht zum Pfingstmontag Sport1+ einschalteten, ist nicht bekannt. Der junge Pay-TV-Sender veröffentlicht nach eigenen Angaben grundsätzlich keine Zahlen über Quoten und Abonnenten. Es dürften nicht allzu viele gewesen sein. Wer weiß schon, mit welchen Mitteln er überhaupt Sport1+ empfangen kann? (aktuell über die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW sowie über Entertain, die TV-Plattform der Deutschen Telekom).

Für deutsche Basketballfans bleibt die Fernseh-Situation um Nowitzki unbefriedigend. „Aktuell ist Dirk neben Sebastian Vettel der international bekannteste deutsche Sportler“, sagte Dirk Bauermann im Interview mit Spox.com. „Historisch gesehen gehört er auf eine Ebene mit Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, Max Schmeling und Boris Becker. Entsprechend fehlt mir das Verständnis, und ich finde das Verhalten der Sender sehr ärgerlich.“ (mit dpa)

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