Medien : Deutschland ist ein Gedicht

Norbert Thomma

Als Fabio Grosso in der 119. Minute mit links das Licht ausknipste, als sein ballistischer Kunststoß an Lehmanns Fingern vorbeisegelte, als der mexikanische Schiedsrichter Benito Archundia in die Pfeife blies, und als die inneren Flaggen der Fans auf Halbmast rutschten, da klappten in den Druckereien dieses Landes Arbeiter die Deckel der roten Farbeimer zu, sie klappten die Deckel der schwarzen Farbeimer zu und die Deckel der güldenen Farbeimer auch, die werden nun alle nicht mehr gebraucht (Weiterverwendung für Jan Ullrich ausgeschlossen), und in den Redaktionen wurde ein letztes Mal versucht, den kollektiven Rausch in eine Schlagzeile zu packen. Vorbei die Wochen der Euphorie, was bleibt ist ein Gedicht, Satz für Satz gefeilt für die Seite 1 einer Zeitung:

An Italien gescheitert /

Oh tut das weh /

Aus im Halbfinale /

Schade! /

Finaltraum geplatzt /

Finito! /

Deutscher Traum geplatzt /

Oh tut das weh /

Die Nacht der Tränen /

Schwarz, Rot, Aus!

Ihr seid trotzdem Helden! /

Aus - mit dem Herz in der Hand /

Wir weinen mit euch! /

Der Traum ist aus /

Nur noch um Platz drei /

Aus der Traum vom Finale /

Oh tut das weh

Poetische Mitarbeiter (chronologisch): Sächsische Zeitung, Kölner Express, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Abendzeitung München, Leipziger Volkszeitung, Hamburger Morgenpost, Frankfurter Rundschau, Kölner Express, BZ, Berliner Morgenpost, Bild, Tagesspiegel, Bild, Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Kölner Express.

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