Medien : Die Besserverdiener aus Gütersloh

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Beim Geld hört die Freundschaft auf. Nun muss in einem Unternehmen nicht zwangsweise Freundschaft zwischen allen Mitarbeitern und quer über alle Hierarchie-Ebenen hinweg herrschen. Aber Sozialneid kommt schon auf, wenn "die da oben" sich eine goldene Nase verdienen, während "unten" gespart, gekürzt und gekündigt wird.

So ist das etwa beim Axel Springer Verlag, von dem man seit Juni weiß, dass die Bezüge des Springer-Vorstands innerhalb eines Jahres kurzerhand verdreifacht wurden. Statt 12,36 Millionen Mark flossen 2000 insgesamt 36,7 Millionen auf die Privatkonten. Seitdem aber bekannt ist, dass der Gewinn eingebrochen ist, seitdem gewiss ist, dass auch die nächste Bilanz nichts Gutes verheißt, und seitdem feststeht, dass zehn Prozent der 14 000 Arbeitsplätze abgebaut werden, wird dieses Gebaren als "unmoralisch" bezeichnet. Da hilft auch die diesjährige Sonderzuwendung von 400 Mark (brutto) für jeden Springer-Angestellten nichts.

Nach einem Bericht des Branchendienstes "text intern" ist nun klar: Auch bei der Bertelsmann AG gönnen sich die Vorstände gern mal mehr. Das geht aus dem neuen Geschäftsbericht hervor, der bislang nur über das Internet zugänglich ist. Die Vorstandsbezüge, die im Vorjahr 60,1 Millionen Mark betrugen, werden jetzt mit 125,17 Millionen Mark angegeben. Eine Summe, die allerdings mit einem Vorstand mehr geteilt werden muss. Der Vorstand wuchs in dieser Zeit von sieben auf acht Mitglieder. "text intern" hat nun errechnet: Wer zwölf Monate Vorstandsmitglied war, hat im Durchschnitt 15,646 Millionen Mark beziehungsweise 82,2 Prozent mehr verdient. Unmoralisch? "Kein Kommentar", heißt es aus Gütersloh.

Immerhin: Während es bei Springer darum geht, nicht zu tief in die Verlustzone zu rutschen, konnte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff im September einen Rekordgewinn von 968 Millionen Euro (plus 44 Prozent) bei einem Rekordumsatz von 20 Milliarden Euro (plus 21 Prozent) verkünden. Den 3,5 Milliarden Euro schweren Erlösen durch den Verkauf von AOL Europe und Mediaways sei Dank. Damit sich der Sozialneid in Grenzen hält, sei erwähnt, dass jeder Bertelsmann-Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2000/2001 ebenfalls 19,5 Prozent mehr, also durchschnittlich 115 127 Mark verdient hat und die Dividende allein aus dem Rumpfgeschäftsjahr (Juli bis Ende 2000) 97,8 Millionen Mark (50 Millionen Euro) betrug. Auch das ein Rekord.

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