Medien : Die die Zeilen feilen!!!

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DAS SPIEL IST AUS!

Jaaaaaaaaaa! Oder doch eher: Neiiiiiin! Und was wird die englische Zeitung „Sun“ nach dem Finale schreiben? „Caipirinha schlägt Sauerkraut!“ Irgendetwas in der Art wird es wohl sein. Die Weltmeisterschaft im Fußball ist auch der Höhepunkt des Boulevardjournalismus. Da müssen Zeilen her, die krachen, und das jeden Tag. Wie schaffen die das in den Redaktionen? Vielleicht führt eine Überschrift aus der „B.Z.“ auf die richtige Spur. Da war zu lesen: „13.30 Uhr, zur besten Irish Coffee Time.“ Man darf davon ausgehen, dass die schlechtere Zeit für Irish Coffee gegen acht Uhr morgens beginnt, und wenn die Mischung aus Kaffee und Wiskey scharf dosiert wird, entstehen „B.Z.“-Zeilen wie „Rudi, schick die Saudis in die Wüste!“ und „Jungs, kickt uns ins Finale“ oder „Jungs – Schlagt die Iren weich wie Butter“ und „Geil, wir sind drin!“

Es ist nicht überliefert, von welchen Alkoholika sich die Redaktion der „Bild“-Zeitung inspirieren lässt. Dort neigt man traditionell ganz gern mal zum Reim. „Kahn & Klose… der Rest war tote Hose!“ rsp. auch „Rudi Haudi Saudi“. In den 70er Jahren wurde das Wechselspiel zwischen Franz Beckenbauer und Günter Netzer mit „Ramba-Zamba“ bedichtet, und kaum mischte sich Gerd Müller („der Bomber“) ein, wurde daraus „Ramba- Zamba-Bomba“. Und als die Urfaust von Sonny Liston zuschlug, hieß es „Bumm, bumm, bumm – da fiel der Patterson um“. Es wird an den publizistischen Fakultäten schwer darüber gerätselt, ob es sich hier um Dadaismus oder Infantilismus handelt.

Einmal in diesen WM-Tagen verließ „Bild“ sogar auf Seite 1 den Pfad der transatlantischen Freundschaft. Das „Ami, go Home!“ wurde allerdings mit einem klein gedruckten „Nur dieses eine Mal, bitte!“ zurecht gerückt. Manchmal wird sogar recycelt. 1954 hieß es „Hurra, wir sind Weltmeister“, diese Zeile holte „Bild“ 1974 nochmal aus der Schublade. Geht das wieder, wenn 2002 das Unwahrscheinliche geschieht? Oder wäre das, ähm, zu jeremies? Norbert Thomma

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