Medien : Die Doppellösung

Mit der ARD-Programmreform könnte Harald Schmidt auch dienstags laufen

Markus Ehrenberg,Joachim Huber

Es war vielleicht nur ein Versprecher. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht war es auch mehr: ein Versprechen. Als Harald Schmidt sich am Donnerstag der vergangenen Woche in seiner Show verabschiedete, sagte er: „Tschüss, bis nächste Woche, da kommen wir schon am Dienstag, statt Maischberger.“ Hoppla, dachte man, was soll das denn? Dienstag lief dann zwar doch „Menschen bei Maischberger“, am Mittwoch Schmidt, Donnerstag auch, um 23 Uhr. Alles wie geplant. Aber was immer sich Schmidt bei seiner Ansage gedacht haben mag, vieles deutet daraufhin, dass da etwas dran ist, dass das auch Sinn macht: eine dritte wöchentliche „Harald Schmidt“-Ausgabe, Dienstag abends, noch vor Maischberger.

Eine Drei-Tage-Woche also, in der Schmidt wieder mehr Raum bekäme für Nonsens und Tagesaktuelles, ähnlich wie bei Sat 1, wo Schmidt zum Ende hin noch zusätzlich am Montag auf Sendung ging und die Fünf-Tage-Woche einführte. Damit verbunden: mehr Ruhe, mehr Klasse, mehr Pausen, weniger Hektik, weniger Themen Hinterherhecheln und Herunterhaken, wie es Kritiker dem Moderator jetzt bei der ARD-Premiere noch vorgeworfen hatten. Zweimal 30 Minuten die Woche Schmidt sind offenbar zu wenig. Der Moderator und sein „Sidekick“ Manuel Andrack scheinen der Mehrarbeit gegenüber auch nicht unbedingt abgeneigt. „Von ein Mal bis sieben Mal in der Woche ist alles möglich“, sagt Andrack. „Wir haben dank des ARD-Archivs unfassbare Materialmengen.“

Auf diese Weise könnte die ARD auch das Dauer-Quotenproblem „Menschen bei Maischberger“ besser in den Griff kriegen. „Harald Schmidt“ hat deutlich mehr Zuschauer (siehe Grafik). Würde Schmidt am Dienstag nach den „Tagesthemen“ vor Maischberger ausgestrahlt werden, könnte der People-Talk vom Schmidt-Publikum profitieren. Platz dafür schafft die angekündigte große ARD-Programmreform. Demnach sollen die „Tagesthemen“ ab April von Montag bis Donnerstag auf 22Uhr15 vorverlegt werden. Dadurch würden die 23-Uhr-Talks im Ersten automatisch um eine Viertelstunde nach vorne rutschen. Die Frage für die Dienstagabend-Schiene wäre dann nicht: Schmidt oder Maischberger, sondern: Schmidt und Maischberger. Schmidt um 22 Uhr 45, Maischberger um 23 Uhr 15. Eine Doppellösung, mit der alle Beteiligten leben könnten.

Dieser Plan wird aus Kreisen der ARD-Intendanten kolportiert. Es wird darauf verwiesen, dass in der jetzigen Wochenstrecke um 23 Uhr die Talkshow „Beckmann“ bei durchschnittlich 1,8 Millionen Zuschauern liegt und „Harald Schmidt“ den Talk „Menschen bei Maischberger“ bislang überflügelt. Seit dem vorzeitigen Ende des Formates „Gabi Bauer“ ist allen Protagonisten für das Erste klar geworden, dass irgendeine Quote nicht ausreicht, der Publikumserfolg muss mit dem geliebten ZDF-Feind „Johannes B. Kerner“ (Jahresdurchschnitt 2004: 1,6 Millionen) Schritt halten können.

Maischbergers Vertrag mit dem WDR läuft bis Ende des Jahres. Ein ARD-Hierarch sagt, die Journalistin könne, im Falle des Falles, mit ihrer Firma für die ARD auch „Dokumentationen und Reportagen“ drehen. Das muss so nicht kommen. Erst einmal hat Sandra Maischberger erreicht, dass ihre Firma Vincent Television „Menschen bei Maischberger“ gemeinsam mit Alfred Bioleks Pro GmbH produziert. Die Pro GmbH hatte über lange Jahre den „Biolek“-Talk hergestellt. Die Truppe gilt als ausgelaugt.

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