Medien : Die Endlosschleifer

Warum sich die Wiederholungen und Programmänderungen häufen

Andreas Kötter

Mit einem Programm, bunt wie die Ostereier, und mit spektakulären Spielfilmen zuhauf locken die Fernsehsender alle Jahre wieder den Zuschauer. In der Tat versprechen Erstaufführungen wie „Matrix“ (RTL), „Was Frauen wollen“ (ARD) oder „Galaxy Quest“ (Pro 7) auf den ersten Blick großes Kino für den kleinen Bildschirm. Wer allerdings die Programmzeitschriften genauer studiert und die vergangenen Monate zurückverfolgt, der stellt fest, dass manche dieser Eier das Verfallsdatum weit überschritten haben.

Und das nicht nur zur Osterzeit, in der mal wieder „Speed“ (Pro 7), „Weites Land“ (WDR) oder „Duell im Atlantik“ (Kabel 1) läuft. Wiederholungen ziehen sich quer durch alle Sender, vor allem durch jene, die in der Verwertungskette ihrer Senderfamilien hinten anstehen, wie RTL 2, Kabel 1 oder auch die Dritten der ARD. Noch nie hat es so viele Wiederholungen in so kurzen Abständen gegeben. Besonders dreist erscheint, was sich RTL 2 mit der durchaus liebenswerten US-Sitcom „King of Queens“ erlaubt. Seit mehreren Monaten hat man dieses Kleinod der leichten Unterhaltung im Programm und zeigt mittlerweile täglich vier Folgen am Stück – macht zwanzig Folgen die Woche.

Serien verbrennen

Insgesamt gibt es 125 Folgen von „King of Queens“. Die Folge: Nach wenigen Wochen ist die Serie versendet – und startet bei RTL 2 einfach wieder von vorne. RTL-2-Sprecherin Barbara Faltermeier rechtfertigt das Programmkonzept „Endlosschleife“: „Die Serie ,King of Queens’ hat derzeit neben ,Big Brother’ die höchsten Einschaltquoten im RTL-2-Vorabendprogamm. Der Zuschauer nimmt unsere Programmierung sehr gut an.“ Aber wie lange noch, ohne dass die Serie auf alle Zeiten fürs deutsche Fernsehen verbrannt ist?

Bei Kabel 1, wie RTL 2 ein Sender der zweiten Generation, sind Wiederholungen ebenfalls an der Tagesordnung. So kann man sicher sein, dort mindestens einmal im Jahr Sergio Leones Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu sehen. Nun sieht man sich bei Kabel 1 als der Sender für „die besten Filme aller Zeiten“, es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass das Beste nicht beliebig multiplizierbar ist. „Als der Classic-TV-Anbieter im deutschen Fernsehen gehören Filme wie ,Dirty Harry’ einfach in unser Portfolio“, sagt Kabel-1-Sprecherin Petra Fink. „,Dirty Harry’ und ähnliche Klassiker sind, wenn man sie maximal einmal pro Jahr ausstrahlt, eine Quotenbank, auch nach Jahrzehnten noch. Wie oft wir das machen, hängt davon ab, wie viele Ausstrahlungen in welchem Zeitraum wir mit der Lizenz erworben haben.“

Das mag für die Primetime gelten, nicht aber für andere Zeitschienen. Samstagsmorgens, wenn bei Kabel 1 Western-Zeit ist, gewinnt man den Eindruck, dass im Abstand weniger Monate immer wieder dieselben Filme zu sehen sind. „In den vergangenen vier Jahren sind sonnabends 200 Western gelaufen“, sagt Petra Fink. „35 Prozent davon ein einziges Mal. Nur 20 Prozent sind innerhalb von elf Monaten wiederholt worden, was daran lag, dass wir sie vor dem Lizenzende nochmals ausstrahlen wollten.“ Das bedeutet, dass 130 Filme mehrfach zu sehen waren. Da liegt der Verdacht nahe, dass mit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums die Verfügbarkeit von Filmen für den ehemaligen Kirch-Sender abgenommen hat. Fink widerspricht. Vielmehr rühre es daher, „dass die Lizenzen bei Mitbewerbern wie den Dritten Programmen liegen“.

Noch mehr als ständige Wiederholungen nervt den Zuschauer, dass die Sendezeiten immer häufiger nicht mehr mit den in den Programmzeitschriften angegebenen Uhrzeiten übereinstimmen. Beim Leser-Service von „TV Spielfilm“ weiß man um diesen Unmut der Zuschauer. Jost Bornmann, stellvertretender Leiter „Zentrale Programmredaktion“, ist ratlos: „Wir können die Leser nur auf unseren Online-Service verweisen.“ Mindestens genau so ärgerlich sind für Bornmann komplette Umprogrammierungen. „Wir mussten bei RTL mehrfach die Programmspalte ändern, um dann dennoch für den Vorabend das falsche Programm anzukündigen.“ Er glaubt, diese ständigen Umprogrammierungen rührten daher, dass ein Sender unter Quotendruck steht. Ein anderer Grund seien die Werbebuchungen, sagt Petra Fink von Kabel 1. „Seit zwei Jahren hat sich das Werbeverhalten der Kunden verändert. Seit dem Wirtschafts-Crash überlegen diese sich sehr kurzfristig, wo sie ihr Geld anlegen.“ Planungssicherheit im Programm, wie sie die Sender vor fünf Jahren noch hatten, gibt es nicht mehr.

Ein Gutes haben Wiederholungen. Wer zum Beispiel bei RTL am Karfreitag die Free- TV-Premiere von „Matrix“ verpasst hat, kann sich auf die Wiederholung am Ostersonntag freuen, dann allerdings erst um 23 Uhr 15.

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