Medien : Die Geschichte einer Auszehrung

Das Dokudrama „Verkauftes Land“ zeigt Macht und Ohnmacht der Treuhandanstalt

Simone Schellhammer

Sie war eine ganz besondere Schnittstelle beim Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland, ein Verschiebebahnhof für zwei Volkswirtschaften, ein Sündenbock für die einen und ein Schreckgespenst für die anderen: die Treuhandanstalt. Von der letzten DDR-Regierung eingerichtet und von Bonn weitergeführt, kümmerte sie sich von 1990 bis 1994 um die Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft. Ein einmaliges Experiment, das dem Steuerzahler Schulden in Höhe von 270 Millionen Mark hinterließ.

Regisseur Horst Königstein erzählt die Geschichte jener Behörde am Beispiel von Klaus Schucht, der damals als Vorstand für die Ressorts Bergbau, Energie und Chemie zuständig war, danach vier Jahre als Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt arbeitete und im Jahr 2001 verstarb. Schucht war bereits über 60, als ihn die Treuhand rief. Ein erfolgreiches Arbeitsleben im Vorstand der Ruhrkohle AG lag hinter ihm. Die Stärken, die der aus Preußen stammende Schucht mitbrachte, waren Fleiß, Disziplin, Pflichterfüllung und Patriotismus. Sein Leitbild zu jeder Zeit war das Gemeinwohl. Umso schlimmer wurde für ihn das Erwachen. „Der Patriotismus meiner Aktionäre hört an ihrem Geldbeutel auf“, muss sich Rudolf Kowalski, der Schucht spielt, in einer Szene von einem westdeutschen Manager anhören. Vergeblich argumentiert er, dass Ostdeutschland dringend Hilfe brauche und man außerdem an der ehemaligen DDR etwas gut zu machen habe: „Die Ostdeutschen haben den Krieg allein gesühnt.“ Mit dieser Haltung kommt er nicht weit.

Rudolf Kowalski entwickelt nicht den Charme und die Munterkeit, die Klaus Schucht nachgesagt werden. Statt dessen füllt er die Leerstellen mit einer eigenen Geschichte, in der ein Mann seine Überzeugung und sein Weltbild verliert. „Es ist die Geschichte einer Aufzehrung“, betont Horst Königstein, der mit Heinrich Breloer in Filmen wie „Die Staatskanzlei“ und „Die Manns“ das Genre des Dokudramas erfand. Auch in „Verkauftes Land“ kommen zwischen den Spielszenen Zeitzeugen zu Wort.

Schuchts Ehefrau und seine Kinder sprechen über den asketischen Familienvater, sein Assistent und seine Sekretärin über dessen unermüdlichen Arbeitseifer und die frühere Treuhand-Chefin Birgit Breuel über den charmanten Kollegen. Breuel, die einzige bekannte Symbolfigur aus dieser Zeit, wirkt hier erstaunlich warmherzig, spricht sogar von einer „Gerechtigkeitslücke“.

Wie so oft bei Königstein, geht es weniger um historisch exakte Abbildung. So weist ein Wirtschaftshistoriker zwar darauf hin, dass beim Verkauf der Leuna-Raffinerie an Elf- Aquitaine angeblich Millionen an Schmiergeldern geflossen sein sollen. Die Beweisführung fehlt aber. „Wenn Staatsanwaltschaft und parlamentarische Ausschüsse an so was rangehen bis hin zur Beugehaft, hält man sich da als Autor besser raus, sonst wird es peinlich“, sagt Drehbuchautor Claudius Crönert.

Merkwürdig, wie vergessen diese Zeit heute wirkt. „Verkauftes Land“ erinnert an ihre Brisanz und dass für eine kurze Zeit die Chance bestand, gewissermaßen ein neues Land zu werden.

„Verkauftes Land“: 21 Uhr 45, NDR-Fernsehen; 8. Dezember, 23 Uhr 15, WDR

0 Kommentare

Neuester Kommentar