Medien : Die „Krone“ des Herrn

Neues über Hans Dichand, die WAZ und ein Buch über „die Deutschen“

Harald Fidler[Wien]

Warum streiten Hans Dichand und der Essener Verlagsriese WAZ um die „Kronen Zeitung“? Weil sie beinahe jeder zweite Österreicher ab 14 Jahren täglich zur Hand nimmt? Weil sie mit dem „Kurier“ den Zeitungsmarkt der Alpenrepublik so dominiert? Nein: „Dichand ist ein Romantiker. Irgendwie vertragen das ,die Deutschen’ nicht.“ Mit derlei putzigen Theorien füllt Günther Nenning ein ganzes Buch: „Eine Krone bitte“ heißt es.

Nenning schaffte in seinen demnächst 82 Lebensjahren den Bogen vom Marxisten über den Katholiken und Grünen zum schollenverbundenen Nationalen, weshalb er wohl zuletzt als Kolumnist bei der „Krone“ landete. Zu ihr und Hans Dichand steht er „170-prozentig“. Dass der „Krone“-Chef dem nicht sehr flüssigen Wiener Molden Verlag unter die Arme griff, damit Nenning sich zu Dichands Freude austoben kann, dementiert Buchverleger Fritz Molden zumindest nicht.

Nenning kennt immerhin „die Deutschen“: „Schröder ist der wahre Herr der WAZ oder möchte es sein oder ist es fast. Das stete Anschreiben der österreichischen „Krone“ gegen Rot-Grün passt der WAZ nicht, und schon gar nicht passt es Schröder.“ Also doch nicht nur ein Romantikproblem.

Keine drei Stunden später, keine 300 Meter entfernt vom Café Landtmann und der Buchpräsentation fand der Kampf um die „Krone“ am Donnerstag noch einen ernsteren Schauplatz als Nennings Wursteleien: Im Landgericht Wien war der erste Verhandlungstag im Prozess Hans Dichand gegen Erich Schumann wegen „übler Nachrede“. Von WAZ-Chef Schumann fühlt sich der „Krone“-Gründer beleidigt, weil er in dem Kleinformat antisemitische und rassistische Töne entdeckte. Und Dichand ist die „Krone“. Genau mit dem Zugang haben „die Deutschen“ ein Problem: Als Chefredakteur zog sich Dichand zwar zurück, setzte aber seinen Sohn als Nachfolger ein, den die WAZ für wenig fähig hält. Ihn will sie loswerden wie den Vater als „Krone“-Geschäftsführer. Ein Schweizer Schiedsgericht entscheidet 2004 über die Jobs der Dichands. „Hans Dichand muss Herr bleiben“, schreibt Nenning in seinem „virtuell-illusionistischen Angebot zum Waffenstillstand“. Und „die ,Krone’ muss österreichisch bleiben.“ Dumm nur, dass Dichand schon 1987 „den Deutschen“ 50 Prozent verkaufte.

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