Medien : Die Rampe

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigt zahlreiche Beiträge zu Auschwitz

Eckart Lottmann

Ein Zug kommt zum Stehen an der Rampe in Auschwitz-Birkenau. Millionen Menschen werden sein Ankommen beobachten und an die Menschen denken, die hier ankamen, um ermordet zu werden. Das Signal des Zuges eröffnet die Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die von der ARD am Donnerstag ab 14 Uhr 03 übertragen wird.

Schon Tage vor dem offiziellen Datum strahlen viele Sender Beiträge aus, die sich mit dem Völkermord an den Juden durch das „Dritte Reich“ beschäftigen. Dabei bewährt sich die Struktur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Unterschiedliche Themen und Erzählweisen ermöglichen eine Perspektivenvielfalt, die auch dem vermeintlich bekannten Thema immer wieder Neues abzugewinnen vermag: Bereits heute Mittag um 12 Uhr überträgt das ZDF die Gedenkfeier des Internationalen Auschwitz-Komitees aus dem Deutschen Theater in Berlin. Sprechen werden neben Bundeskanzler Gerhard Schröder auch ehemalige KZ-Häftlinge. Abends zeigt der NDR die Dokumentation „Sklaven der Gaskammer“ (22 Uhr 15). In so genannten „Sonderkommandos“ mussten KZ-Häftlinge dafür sorgen, dass Millionen Menschen in den Gaskammern so schnell und reibungslos wie möglich ermordet wurden. Die meisten Angehörigen dieser Einsatzgruppen wurden ebenfalls umgebracht; in „Sklaven der Gaskammer“ sprechen einige Überlebende zum ersten Mal über ihre Erfahrungen.

Der biografisch angelegte Spielfilm „Aus einem deutschen Leben“ (1977), den das Bayerische Fernsehen heute um 23 Uhr 35 wiederholt, zeigt die andere Seite des Lebens in Auschwitz. KZ-Kommandant Rudolf Höß ist ein liebevoller Familienvater und akkurater Organisierer, dessen Normalität angesichts seiner Untaten einen grausen lässt. Einen der wichtigsten dokumentarischen Filme strahlt die ARD am Mittwoch um 23 Uhr 30 mit „Drei deutsche Mörder“ aus. Autor Ebbo Demant befragte in den siebziger Jahren drei Männer, die wegen tausendfacher Morde in Konzentrationslagern zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt waren. Ein SS-Sanitäter bezeichnet es sogar als „Erlösung“ für die KZ-Häftlinge, wenn er sie mit Todesspritzen umbrachte.

Ebenfalls am Mittwoch um 22 Uhr 15 zeigt der RBB erstmals „Mein Überleben in Kolbuszowa“, eine Dokumentation über den jüdischen Polen Norman Salsitz, der nach 60 Jahren erstmals in seine Heimatstadt Kolbuszowa zurückkehrt. Salsitz gelang es damals, aus einem jüdischen Ghetto zu entkommen. Er überlebte in den Wäldern, schloss sich der polnischen Untergrundarmee an und nahm Rache für die Ermordung seiner Familie.

Juden, die in Konzentrationslager deportiert wurden, mussten ihren gesamten Besitz dem Staat überlassen. „Mariannes Heimkehr“ (Phoenix, Donnerstag 18 Uhr 30) ist der Titel eines Films über Marianne Winter, die als KZ-Überlebende von genau dem Finanzbeamten ihren Besitz zurückforderte, der vorher für ihre Enteignung zuständig war.

Der als Familiengeschichte erzählte Spielfilm „Holocaust“, den Arte bis zum Donnerstag wiederholt (siehe Tagesspiegel von Montag), findet sicherlich ein anderes Publikum als Claude Lanzmanns insgesamt neun Stunden langer Dokumentarfilm „Shoah“. Lanzmann befragt Überlebende des Holocaust – Opfer wie Täter – bis an die Grenzen des Erträglichen über die Todesfabriken (letzter Teil am Donnerstag um 22 Uhr im WDR). „Gesucht wird Josef Mengele“, die im Anschluss um 0 Uhr 20 ausgestrahlte Reportage, berichtet über die Suche nach dem KZ-Arzt von Auschwitz, dem nach Kriegsende die Flucht nach Südamerika gelang. Felix Kuballas Film über den für grausame medizinische Experimente verantwortlichen Mörder wurde 1986 mit einem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet.

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