Medien : Die Steinbrück-Show

Anne Will schwächelt beim Kandidaten-Interview.

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Nur zwei Nachteile hatte der Solo-Auftritt von Peer Steinbrück bei Anne Will am Mittwoch für den Kanzlerkandidaten der SPD: Wegen der Papstwahl verschob sich die Ausstrahlung, nur hartgesottene, aber immerhin 1,4 Millionen Zuschauer blieben auf, um lange nach Mitternacht das Ende der Talkshow zu erleben. Und bis zur Bundestagswahl im September ist es noch so lange hin, dass die Sendung wohl wenig politische Wirkung entfalten wird.

Denn es war nicht Anne Wills Show, es war eindeutig Peer Steinbrücks Show. Wenn sein bisheriger Wahlkampf so gut gelaufen wäre wie sein Auftritt in der Sendung, müsste die SPD in Umfragen nicht bei 26, sondern bei 40 Prozent liegen.

Falls das Studiopublikum nicht aus dem Willy-Brandt-Haus importiert war, sollten sich die Beobachter der CDU doch noch Sorgen machen. Der Gast provozierte mit seinen Thesen zu sozialer Gerechtigkeit und Steuererhöhung für starke Schultern immer wieder Beifall. Er zeigte sich rhetorisch beschlagen, unterhaltsam und sehr angriffslustig, während die Gastgeberin deutlich schwächelte.

Nur bei einem Thema, nämlich bei der Frage, wen genau die geplanten Steuererhöhungen treffen werden und wie hoch die Belastung ausfallen wird, hakte sie mit Erfolg so lange nach, bis der Ex-Finanzminister in die Defensive geriet und auffällig patzig wurde. „Das erzähle ich Ihnen, wenn ich in Amt und Würden bin. Jetzt erzähle ich nichts Konkretes, das machen die anderen ja auch nicht.“ Ansonsten aber nutzte der bislang eher glücklose Kandidat die Zeit gekonnt zur Selbstdarstellung. Zeitweise wirkte es auch so, als wollte Will die Talkshow-Praxis der Einspielfilme mit Provokationen für den Gast ad absurdum führen. Dass der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, Mindestlöhne als ökonomische Katastrophe attackierte, war so absehbar wie platt. „Wir müssen in so einer Sendung ja nicht WILLkürlich sein“, schlug Steinbrück daraufhin gönnerhaft vor.

Sollte der SPD-Politiker beim TV-Duell in ähnlich guter Form sein, wird das Aufeinandertreffen mit Angela Merkel richtig spannend. Sogar wenn Anne Will als Moderatorin fungiert. Hans Monath

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