„Die tollsten Geschichten von Donald Duck“ : 50 Jahre – und kein bisschen leise

„Die tollsten Geschichten von Donald Duck“ sind unverändert beliebt. Pro Monat werden 30 000 Exemplare vom Zentralorgan für Donaldismus verkauft.

Martin Jurgeit
Diese Ente kennt keinen Schmerz. Donald Duck braust 1965 los.
Diese Ente kennt keinen Schmerz. Donald Duck braust 1965 los.Foto: Promo

Was für ein Kiosk-Heft! Nicht nur der berühmte „Donald Duck“-Zeichner Don Rosa zählt „Die tollsten Geschichten von Donald Duck – Sonderheft“ (DDSH) zu seinen absoluten Comic-Favoriten weltweit. Für eine im Pressemarkt vertriebene Publikation ist das 50-jährige Jubiläum der „Tollsten Geschichten von Donald Duck“, das 2015 gefeiert wird, mehr als ungewöhnlich. Das fängt bereits beim ersten Reinblättern an, denn Seite 3 ist erst einmal ein Schutztitel, verziert mit einer Illustration der Hauptgeschichte des jeweiligen Heftes, und auf Seite 4 folgt dann ein Inhaltsverzeichnis mit ausführlichen Angaben zu allen abgedruckten Comics. Wo findet man sonst noch solch einen bibliophilen Hefteinstieg in eine Kiosk-Serie?

Sammler müssen auch keine Angst um das Cover haben. Nie muss hier ein rabiat mit Tesafilm aufgeklebtes „Extra“ mühselig entfernt werden, was etwa beim Schwestermagazin „Micky Maus“ selten ohne Blessuren für das Heft erfolgt. Sofort ins Auge sticht auch die sehr stimmige Beschriftung der Sprechblasen, die weit entfernt ist von den doch recht ruppigen Textfonts der meisten Publikationen. Das gilt genauso für das eher matte Papier, das an alte US-Hefte erinnert, wiewohl der Druck natürlich in der gewohnten Offset-Qualität erfolgt. Gerade auch die Wahl der endgültigen Papiersorte schälte sich in langen Diskussionen mit den Fans vor etwa zehn Jahren heraus.

Die höchst lebendige Leserbrief(doppel)seite ist ein weiteres Prunkstück der Reihe. Kaum zu glauben, wie intensiv hier Diskussionen – nicht selten über mehrere Monate hinweg – zwischen Publikum und Redaktion, aber auch den Lesern untereinander fortgeführt werden. In Zeiten von Web 2.0 und Internetforen wirklich sehr ungewöhnlich, aber auch höchst erfreulich! Immer wieder geht es in den „tollsten Leserbriefen an Donald Duck“ um die „Italiener“. Gemeint sind natürlich die italienischen Duck-Zeichner, die in den letzten Jahren verstärkt ins Heft strömen, an denen sich aber auch die Geister scheiden.

Für viele Leser waren und sind die „tollsten Geschichten“ mit Donald Duck zwingend auch immer Geschichten von Carl Barks. Doch mittlerweile wurde fast jede Seite des großen Duck-Meisters in der Reihe abgedruckt, so dass zwangsläufig immer mehr Material anderer Zeichner zum Zuge kommen muss. Dem trägt auch eine große Artikelreihe Rechnung, die in diesem Jahr Monat für Monat die wichtigsten künstlerischen Köpfe hinter den Entenhausener Geschichten vorstellen. Hier vertreten sind die großen Klassiker wie Carl Barks, Jack Bradbury oder Tony Strobl – von diesen allen gibt es zum Jubiläum auch Comics im Januar-Heft –, aber auch auf Zeichner der „mittleren Generation“ wie den Chilenen Vicar und den US-Amerikaner Don Rosa oder heute tätige Künstler wie Mau Heymanns und Kari Korhonen muss man nicht verzichten.

Erika Fuchs wird ausführlich gewürdigt

In der extradicken (Sonder-)Nummer 332 wird aber zunächst die große Erika Fuchs ausführlich vorgestellt, deren Übersetzungen der US-Geschichten über viele Jahre auch die „Tollsten Geschichten“ prägten, die ihr besonders am Herzen lagen. Das sieht man etwa daran, dass sie bei wiederveröffentlichten Barks-Geschichten regelmäßig noch einmal über die Texte ging und an diesen feilte, so dass wir hier von „Ausgaben letzter Hand“ des Barks/Fuchs-Œuvres sprechen können.

Das macht die Heftreihe auch für Donaldisten zu einer unverzichtbaren Grundlage für ihre wissenschaftliche Arbeit, die inzwischen auch in den Heften ihren Widerhall findet. Denn seit letztem Jahr veröffentlichen regelmäßig Mitglieder der „Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“ (D.O.N.A.L.D.) ihre Forschungsergebnisse im Heft. So erhalten jetzt auch breitere Leserschichten Kenntnis vom „Geheimwissen der Donaldisten“ und bekommen endlich Fragen der Art „Wie kommt der Toast auf den Mond?“ beantwortet oder erfahren, was es mit der Form des Halbeigentums bei der Tierhaltung in Entenhausen auf sich hat.

Das mögen mitunter doch sehr spezielle Inhalte sein, die sich nicht unbedingt an alle Leser wenden. Doch ganz gezielt versucht das Team von Chefredakteur Peter Höpfner, darunter vor allem die Redakteure Joachim Stahl und Elvira Brändle, Monat für Monat ein möglichst vielseitiges Heft zusammenzustellen, ohne sich von der großen Tradition der seit Mai 1965 erscheinenden Reihe erdrücken zu lassen. Dabei nimmt man auch in Kauf, dass einzelne Experimente wie etwa vor einiger Zeit die zwölfteilige Fortsetzungsgeschichte „Die Drachenritter“ auch mal danebengehen und keine Akzeptanz beim Publikum finden.

Die Rechnung scheint aufzugehen, dass sich Qualität am Ende doch auszahlt – selbst im hart umkämpften, grell bunten Kiosk-Markt! Denn stabile Verkaufszahlen von rund 30.000 Exemplaren pro Monat reichen immerhin für einen soliden Top-10-Platz unter den Comic-Titeln im Grosso-Geschäft. Das sind Zahlen, von denen etwa die Superhelden oder auch die „Simpsons Comics“ inzwischen nur träumen können.

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