DIE TOUR im TV : Hitzige Debatten in Italien

Auch die Macher der drei täglichen Sportgazetten Italiens sind hin- und hergerissen: zwischen der Passion für den Radsport und der Tageschronik in Sachen Doping.

Vincenzo Delle Donne

Eigentlich sind nicht nur die italienischen Tifosi, sondern auch die Macher der drei täglichen Sportgazetten des Landes hin- und hergerissen: zwischen der Passion für den Radsport und der Tageschronik in Sachen Doping. Sie berichten zwar in gewohnt epischer Breite über die „Tour der Leiden“ und erfreuen sich auch am neuen, unverbrauchten Gesicht Linus Gerdemann. „Der Baby-Deutsche“, wie ihn die Mailänder „Gazzetta dello Sport“ liebevoll apostrophierte. Andererseits verfolgt die heimische Sportpresse genau, was sich seit einigen Wochen in den Katakomben des römischen Stadio Olimpico abspielt. Dort vernimmt der Antidopingermittler des italienischen NOK, Ettore Torri, all jene Sportler, die in der Aktion „Oil for Drug“ verwickelt sind. Bei einer landesweiten Razzia im Mai 2004 deckten die Ermittler ein Dopingnetzwerk auf, das eine Vielzahl von Sportlern versorgte. Berühmtester Klient: Giro-d’Italia-Sieger Danilo Di Luca. Derweil überträgt das dritte Programm der staatlichen Fernsehanstalt RAI (Rai Tre) das Tour-Spektakel munter weiter und erfreut sich bester Einschaltquoten – wie zuvor auch bei der Übertragung des Giro d’Italia.

Eine Frage sorgt immer wieder für hitzige Debatten bei den Kommentatoren: Warum durften Radsportasse wie Ivan Basso, Alessandro Petacchi oder Eddy Mazzoleni nicht in Frankreich starten, während zwei Dutzend anderer ausländischer Profis, deren Namen auch in den ominösen Listen des Doktors Eufemiano Fuentes auftauchten, zur Karawane gehören? Man ist zudem verwundert, dass die Justiz und die Journalisten nördlich der Alpen erst jetzt darauf gekommen sind, dass Doping auch unter ihren Sportlern verbreitet ist. So viel Blauäugigkeit müsste bestraft werden, so der allgemeine Tenor.Vincenzo Delle Donne

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