Medien : Die Welt im Wohnzimmer

Vor 40 Jahren ging das erste deutsche Auslandmagazin auf Sendung: der „Weltspiegel“

Alva Gehrmann

Alles ziemlich lange her: Gerd Ruge war erst 34 Jahre alt, und trotzdem schon ein erfahrener Reporter, bereits drei Jahre Korrespondent der ARD in Moskau. 1963 war er aber zurück in Köln und präsentierte am 5. April aus einem kleinen Studio den „Weltspiegel“. Sein Ko-Moderator war Klaus Bölling, der später Regierungssprecher von Helmut Schmidt werden sollte. Auch für ihn war die erste Sendung aufregend: Er führte im „Weltspiegel“ das erste transatlantische Fernseh-Satellitengespräch – mit dem Amerika-Korrespondenten Thilo Koch. 1963 eine technische Sensation. Noch heute, sagt Bölling, werde er darauf angesprochen.

Als das erste deutsche Auslandsmagazin, das heute 40 Jahre alt wird, auf Sendung ging, war den meisten Deutschen die Welt noch ziemlich fremd. Peter von Zahn hatte zwar schon Filme wie „Bilder aus der neuen Welt“ (1955) gemacht, aber ansonsten waren Bilder aus fernen Ländern nur in der „Tagesschau“ zu sehen. Auslandskorrespondenten, die gab es schon seit den 50er Jahren, nur berichteten sie überwiegend fürs Radio. Klaus Bölling meint, die Ausweitung auf das Fernsehen sei „die natürliche Konsequenz“ gewesen. Nicht jeder wusste die Revolution zu schätzen: Die „Kölnische Rundschau“ fragte, wem – außer den Freunden der Korrespondenten – damit gedient sei, dass man nun auch noch die Gesichter der Korrespondenten sehen könne.

Die Zuschauer aber wollten ihre Berichterstatter sehen. Journalisten wie Peter Scholl- Latour, Hans Walter Berg, Gabriele Krone-Schmalz oder Dieter Kronzucker wurden zu Stars. „Die Korrespondenten von damals waren ausgeprägte Persönlichkeiten und machten die Originalität der Sendung aus“, sagt Klaus Bölling, der bis 1969 die NDR-Ausgaben moderierte, die im Wechsel mit dem WDR ausgestrahlt wurden.

„Die Reportagen leben von der Glaubwürdigkeit des Korrespondenten“, sagt Ruge, auch wenn die ersten Sendungen „filmisch nicht so stark“ waren. Das bestätigt auch sein ehemaliger Kollege Bölling; und er betont, dass Beiträge von Scholl-Latour aus Vietnam eben deshalb so gut waren, weil der Korrespondent ein Kenner des Landes war. „Das Publikum merkte: Die wissen Bescheid.“ Heute hingegen würden Korrespondenten oft ausgewechselt. „Dadurch unterliegen viele Auslandsberichte der Beliebigkeit.“ Der „Weltspiegel“ im Jahre 2003 hat große Konkurrenz. Nicht nur durch das „auslandsjournal“ (ZDF). n-tv und N24 bringen rund um die Uhr Nachrichten aus aller Welt – jeder ist scheinbar überall und jederzeit dabei. Im Irak-Krieg noch dadurch verstärkt, dass sowohl die Privaten als auch die Öffentlich- Rechtlichen stundenlange Sondersendungen ausstrahlen.

Gerade deshalb ist es Andreas Cichowicz, Moderator des NDR-„Weltspiegel“, wichtig, dass neben der Aktualität auch über vergessene Winkel der Welt berichtet wird. Zum Beispiel über das Leben von Menschen in Simbabwe oder Venezuela. Solche Reportagen könne man eben nur durch das große Netz an Korrespondenten realisieren, sagt Andreas Cichowicz. Er selbst war als Reporter für die Regionen Südliches Afrika und Arabische Welt tätig. Für den 42-Jährigen sind die Erfahrungen eine „unabdingbare“ Voraussetzung, um die Sendung moderieren zu können. Das wird er auch heute um 19 Uhr 10 in der Jubiläumssendung tun – als Gast im Studio empfängt er Peter Scholl-Latour.

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