Medien : Die Will zum Erfolg

„Tagesthemen“-Frontfrau löst Christiansen ab und will am Talk-Konzept feilen

Markus Ehrenberg,Joachim Huber

Die „Tagesthemen“-Moderatorin Anne Will wird Nachfolgerin von Sabine Christiansen. Sie wird im September die politische Talkshow am Sonntag in der ARD um 21 Uhr 45 übernehmen. Die Entscheidung der ARD-Intendanten bei ihrer Tagung in Frankfurt fiel nach Senderangaben einmütig. Die 40-jährige Journalistin konnte sich damit gegen ARD-Moderatorin Sandra Maischberger (40/„Menschen bei Maischberger“) und WDR-Moderator Frank Plasberg (49/„Hart aber fair“) durchsetzen. Plasberg bekommt aber ebenfalls eine Sendung im Ersten: Die Intendanten beauftragten die Fernsehprogrammkonferenz, ein neues Format für den 49-Jährigen zu entwickeln. Die neue Plasberg-Sendung soll ab 2008 an einem Tag zwischen Dienstag und Freitag zwischen der „Tagesschau“ um 20 Uhr 15 und den „Tagesthemen“ um 22 Uhr 15 laufen und mindestens 60 Minuten dauern.

Damit ist klar: Der NDR konnte sich mit seiner Favoritin Will durchsetzen, dem WDR ist es gelungen, seinen Favoriten Plasberg ins Erste zu holen. Dass die künftige Sendung von Plasberg im Ersten „mindestens 60 Minuten“ dauern soll, lässt die Erwartung auf „Hart aber fair“ in der ARD zu. Während die neun Fernsehdirektoren plus ARD-Programmchef Günter Struve mit sechs zu vier Stimmen für Will am Sonntag und Plasberg am Mittwoch um 22 Uhr 45 stimmten, war Will in der Intendantenrunde unstrittig, ehe Plasberg von WDR-Chef Fritz Pleitgen in die ARD-Primetime gerückt wurde, wie Teilnehmer berichten.

Ob die Sonntags-Sendung „Anne Will“ heißen wird, steht genauso wenig fest wie das endgültige Konzept. „Das ist eine tolle Chance und ein großer Vertrauensbeweis“, sagte Will gestern kurz nach der überraschend schnell gefallenen ARD-Entscheidung. Will wird voraussichtlich bis zum Sommer die „Tagesthemen“ aufgeben, „bis zum Sendebeginn im Spätsommer bleibt noch ausreichend Zeit, um mich vorzubereiten und am Konzept zu feilen.“ Das Ziel sei klar: eine aktuelle, gesellschaftspolitische Gesprächsrunde anzubieten, die Themen aufgreife, aber auch eigene Themen setze.

ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke sagte, ein Nachfolger für Will bei den „Tagesthemen“ stehe noch nicht fest. Zuletzt war Wills Vorgängerin Gabi Bauer als neue „Tagesthemen“-Moderatorin genannt worden. Sabine Christiansen, die wie Will vor ihrer Talk-Strecke die „Tagesthemen“ moderiert hatte, sagte, sie schätze Will als kompetente Kollegin. „Besonders freut mich auch, dass eine Frau das Rennen gemacht hat.“ Ähnlich äußerte sich Maybrit Illner, die beim ZDF den Donnerstagabend-Talk „Berlin Mitte“ moderiert: „Wunderbar! Da zeigt sich doch mal, dass nach langem Kreißen mehr als eine Maus herauskommen kann. Anne Will sei eine tolle Journalistin und eine prima Kollegin. Ich freue mich für sie und auf spannende Jahre.“

Die journalistische Karriere von Anne Will sieht makellos aus: Die 1966 als Architekten-Tochter in Köln geborene Journalistin bekam nach einem Studium (Geschichte, Politologie und Anglistik) an der FU Berlin ein Volontariat beim Sender Freies Berlin (SFB). In den 90er Jahren sammelte sie erste Moderations-Erfahrungen in den SFB-Sendungen „Sportpalast“ und „Mal ehrlich“, ehe das Mitglied beim 1. FC Köln zur ARD-„Sportschau“ abbog und schließlich zu den „Tagesthemen“ wechselte. Seit November 2001 moderiert Anne Will das Nachrichtenmagazin von ARD-aktuell, das zuletzt wegen der Konkurrenz des „heute journals“ im ZDF ein wenig unter Quotenschwund litt. 2006 erhielt Anne Will für ihre „Tagesthemen“-Moderation den Deutschen Fernsehpreis.

Was als Weg nach oben so leicht aussieht, ist das Resultat scharfen Nachdenkens und kalkulierenden Abwägens. Anne Will sagt erst zu, wenn sie überzeugt ist, dass eine neue Aufgabe auch die richtige für sie ist. Beim politischen Talk, der in allen Programmen eine Schwächephase erlebt, hat sie besonders lange überlegt.

Von der privaten Anne Will weiß man nicht allzu viel. Sie lebt in Hamburg und in Berlin, engagiert sich als Botschafterin für „Gemeinsam für Afrika“ und für ein Verbot von Landminen. Ihr neuer Sonntags-Talk soll sich, so viel ist aus ARD-Kreisen zu hören, schon vom Entertainment-Konzept bei „Sabine Christiansen“ unterscheiden, wenn auch nicht radikal. Ex-RTL-Chef Helmut Thoma sagte, er hätte sich für das „System Plasberg“ entschieden. „Nichts gegen Frau Will, aber meiner Meinung nach ist das nur die Entscheidung für dieFortsetzung des Systems Christiansen mit anderen, wenn vielleicht auch besseren Mitteln.“

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