Digital statt Druck : Murdoch plant Zeitung nur fürs iPad

21.11.2010 20:08 Uhrvon

„Daily“ soll 2011 starten und 72 Cent kosten - pro Woche. Welchen Beweis der Medienmogul mit seinem neuesten Coup liefern will.

Mit seinen 79 Jahren könnte sich Rupert Murdoch zur Ruhe setzen, doch der Medienmogul denkt nicht daran – im Gegenteil. Immer wieder überrascht er die Printbranche mit revolutionären Ideen. Erst vor wenigen Monaten stellte der Chef des Medienimperiums News Corp die Websites seiner britischen Blätter „The Times“ und „The Sun“ komplett auf Bezahlinhalte um, jetzt plant er seinen nächsten Coup: eine Tageszeitung exklusiv fürs iPad.

Weder in gedruckter Form noch als Website soll es die Zeitung namens „Daily“ geben, lesbar soll sie nur auf Apples Tablet-PC sein. Der Start ist für Beginn 2011 geplant, berichtete der britische „Guardian“ am Sonntag.

Mit „Daily“ wolle Murdoch beweisen, dass Leute bereit seien, für hochqualitative, originelle Inhalte im Internet zu zahlen. Mit dem iPad-Blatt soll die „Sensibilität eines Tablet-PC mit der Intelligenz einer Zeitung“ kombiniert werden, schreibt der „Guardian“. Für das Projekt, das Murdoch mit Apple-Chef Steve Jobs vorantreibe, seien in New York bereits 100 Journalisten eingestellt worden. Darunter leitende Redakteure von der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ und von der „New York Post“, die Boulevard- und Qualitätsjournalismus in dem Blatt verbinden sollen.

Kosten soll „Daily“ 99 US-Cent (etwa 72 Eurocent) – pro Woche. Möglich wird der günstige Preis, weil keine Druck- und Vertriebskosten anfielen. Auf die Idee zu „Daily“ soll Murdoch durch Studien gekommen sein, laut denen Leute mehr Zeit beim Lesen auf ihrem iPad verbringen als beim ziellosen Surfen im Netz. Auch deshalb glaubt Murdoch, dass das iPad die Spielregeln der Zeitungsbranche im digitalen Zeitalter entscheidend verändern wird. Der Verleger erwartet, dass bis Ende 2011 40 Millionen von Apples Tablet-PCs verkauft sein werden. Würden nur fünf Prozent dieser iPad-Besitzer „Daily“ kaufen, hätte Murdoch zwei Millionen neue Leser gewonnen. Sonja Pohlmann

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