Medien : Digital-TV: Der Decoder - eine Schlüsselfrage

tgr

Decoder, das Tor zur prallen, bunten Digitalwelt, sind ein leidiges Thema der jüngeren Mediengeschichte. Ausgerechnet - man möchte fast sagen "dank" des Fußball-WM-Vertrags zwischen Kirch sowie ARD und ZDF entsteht nun wieder Druck, sich endlich auf technische Standards zu einigen. Das zeigte eine Diskussion gestern auf dem Medienforum NRW. Allerdings gerät dabei leicht der Anspruch unter die Räder, dass öffentlich-rechliches Fernsehen für alle frei empfangbar sein sollte.

Bis Ende des Jahres müssen sich ARD und ZDF entscheiden, ob sie die Spiele der WM 2002 auch als unverschlüsselte digitale Signale über Satellit ausstrahlen wollen. Eine echte Zwickmühle, denn eine Verschlüsselung würde derzeit rund 500 000 Kunden ausschließen, deren Decoder die Signale nicht entschlüsseln können. NDR-Justiziar Werner Hahn erklärte in Köln, er rechne deswegen mit Klagen, schließlich müssen auch diese Zuschauer Gebühren zahlen. Bei einer Nicht-Verschlüsselung allerdings riskieren ARD und ZDF Regressansprüche der Kirch-Gruppe, die die erworbenen WM-Rechte auch im Ausland vermarkten will (und muss). Hans Hege, der Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenbrug, nannte dieses Vertragsdetail "einen Betriebsunfall". Er erklärte: "Das Problem wurde nicht rechtzeitig erkannt." Nun macht die Industrie Druck. Und die Sender versuchen, wie ZDF-Produktionsdirektor Albrecht Ziemer bestätigte, mit technischen Tricks zu retten, was zu retten ist. Denn bisher konnten sich Fernsehsender und Industrie nicht auf Standards verständigen. Ziemer signalisierte aber Kompromissbereitschaft. Hege warnte hingegen vor der Gefahr, dass deutschsprachiges Fernsehen bald nicht mehr in anderen Ländern Europas zu empfangen sei.

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