Bill Gates : Das Ende einer Ära

In sechs Monaten beendet Bill Gates, 52, seinen letzten Job als Chefentwickler bei Microsoft. Mit seiner letzten Eröffnungsrede auf der US-Hightech-Messe CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas hat der Microsoft-Mitgründer seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft des Softwarekonzerns eingeläutet.

Philipp Strobel
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Ohne Schlips und ohne Kragen: Bill Gates verabschiedet sich auf der CES. -Foto: dpa

BerlinManche Bilder wiederholen sich einfach. Warum sollte Bill Gates sich für seinen letzten großen Auftritt auch besonders schick machen? Das tat er schon in der Vergangenheit nie. Schwarze Hose, blauer Pulli - das muss reichen. Seine Abschiedsparty feierte Gates mit 4000 Gästen, die bis zu vier Stunden angestanden hatten, um daran teilzunehmen. Was Gates am Outfit gespart hat, fließt ins Interieur der Veranstaltung: Über 100 Scheinwerfer leuchten den knapp 8000-Quadratmeter-Saal aus, die Bühne so groß, dass der Zeremonienmeister kaum zu erkennen ist. Da Microsoft an diesem Abend kein neues Produkt vorstellt, muss Gates als einziger Star der Veranstaltung herhalten. Diese Rolle spielt er perfekt, wenn auch zurückhaltend.

Künftig möchte sich der mehrfache Milliardär auf seine Arbeit in der „Bill & Melinda Gates Foundation“ konzentrieren, die gegen Armut und Krankheiten wie Aids und Malaria in Schwellen- und Entwicklungsländern kämpft. Als Vorstand seiner Stiftung wird Gates in genau diesen Ländern wohltätig unterwegs sein, die als Zukunftsmärkte Microsofts gelten. Er verabschiedet sich also nur auf den ersten Blick vom Geschäft.

Kaum jemand dürfte, den als eher schüchtern und medienscheu geltenden Gates bisher bei einem öffentlichen Auftritt so locker und selbstironisch erlebt haben. In einem auf der überdimensionalen Leinwand eingespielten Video präsentiert sich Gates an seinem fiktiven letzten Arbeitstag für Microsoft, an dem er vergeblich in den Wahlkampfteams von Hillary Clinton und Barack Obama einen Job sucht, Bono von U2 will ihn nicht als Lead-Gitarristen einstellen - trotz seinens Highscores bei dem Konsolen-Spiel „Guitar Hero“ - und Steven Spielberg kann nichts mit Gates’ Filmideen anfangen.

Vom Schreibtisch auf die Piste

Wie sich Software-gesteuerte Geräte künftig intuitiv einfach per Berührung bedienen lassen können, demonstrierte Gates an einem Modell des von Michrosoft entwickelten und vor einem halben Jahr erstmals vorgestellten Computertisches mit dem Namen Surface. Auf dessen Oberfläche lassen sich Objekte per Berührung mit dem Finger bedienen. Zu Demonstrationszwecken zeigt Gates wie sich zum Beispiel der Käufer eines Snowboards das Design seines Decks selbst zusammenstellen kann. Die Bestellung erfolgt anschließend online mit einem Handy, das die Daten automatisch übermittelt.

Die spannenden Nachrichten des Abends lässt Gates allerdings von Robbie Bach, Entertainment- und Xbox-Chef bei Microsoft, verkünden: Zusammen mit NBC Universal wird Microsoft zu den Olympischen Spielen in Peking ein umfangreiches TV-Angebot über seinen „MSN“-Dienst anbieten. Insgesamt 3000 Stunden an Live-Stream-Berichten sollen über das Microsoft-Portal auf Abruf verfügbar sein. Zur zentralen Medienplattform will soll auch der Online-Dienst Xbox Live für die Xbox 360 ausgebaut werden. In Kooperation mit dem amerikanischen TV-Sender ABC und Disney Channel werden dann über Xbox Live künftig zahlreiche TV-Shows sowie beliebte Serien wie „Desperate Housewives“ oder „Grey’s Anatomy“ verfügbar sein, kündigte Bach an. MGM wird seine Mediathek von Filmklassikern beisteuern.

Bei der Diskussion über „das Format der Zukunft“ - HD-DVD vs. Blue-ray - kann sich Bach geschickt aus der Affäre ziehen: „Der Online-Vertrieb wird die treibende Kraft werden.“ Geschossen wird auch gegen den Konkurrenten Apple. Die zweite Generation des MP3-Players „Zune“ sei „eine klare Alternative zum iPod,“ sagt Bach. Zum Showdown liefern sich Bach und Gates ein Duell auf der Xbox 360. Zum „Guitar Hero“-Kampf lässt Bach eine Profispielerin antreten, während Gates mit Slash (ex-Guns N’ Roses) lieber auch einen waschechten Rocker setzt.

Die Abschiedsworte gehörten Bach: „Nächstes Jahr werden wir uns wieder sehen.“ Der damit Spekulationen in der Branche nährte, dass er der bereits auserkorene Nachfolger für die künftigen Eröffnungsreden der CES sein wird.

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