Facebook-Reiniger : Mein dreckiges Dutzend auf Facebook

Simplewa.sh verspricht, peinliche Posts im eigenen Facebook-Profil zu finden. Unser Autor hat's ausprobiert - und sich schlimm erschrocken.

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SimpleWash bietet den Dienst für Facebook wie Twitter an.
SimpleWash bietet den Dienst für Facebook wie Twitter an.Screenshot

Das machen wir Journalisten ja leider gern: unvorsichtiges Verhalten in sozialen Netzwerken anprangern, vor hinterlassenen digitalen Spuren warnen, gleichzeitig aber selbst auf alle Sicherheitsmaßnahmen pfeifen und sich wie der hinterletzte Neuland- Depp benehmen. Das Passwort meines Mailaccounts lautete jahrelang „Sebastian6543“. Auf jede noch so obskure, potenziell virenverseuchte Seite klicke ich mit der treudoofen Naivität eines Hundewelpen. Dass mein Bankkonto noch nicht geplündert wurde, liegt wohl nur daran, dass ich zu Hause gern die Tans verschlampe und dann nie zum Onlinebanking komme ... So gesehen war ich froh, als ich kürzlich von der Existenz der Serviceplattform simplewa.sh erfuhr. Die verspricht Nutzern eine gründliche Reinigung des Facebook-Profils. Per kostenloser Wortfilter-Suche will sie versaute und peinliche Einträge auflisten, die später mal unangenehm werden könnten. Die einem ganz sicher die große Karriere ruinieren würden, sollte man doch mal eine haben. Du hast wen obszön beleidigt? Simplewa.sh findet den Post. Du hast versehentlich Sexseiten geliked? Vertraue simplewa.sh.

Ich habe mich dort eingeloggt. Das Programm wurde fündig, gleich zwölf Mal! Ein Dutzend tickender Zeitbomben also, die bloß darauf warteten, mir zum Verhängnis zu werden. Ich schaute in die Liste: Vor neun Monaten habe ich laut simplewa.sh in einem Facebook-Eintrag das Wort „Dick“ benutzt. Ui, ui, ui, ein englischer Kraftausdruck für Geschlechtsteil! Erleichterung stellte sich ein, als ich nachsah und begriff, dass ich bloß eine Bemerkung über den deutschen Techno-Musiker Fabian Lenz verloren hatte, dessen Künstlernamen nun mal „DJ Dick“ lautet. Nächstes Problem: Vor zwei Jahren verlinkte mich eine Kollegin auf einem Foto, dessen Bildbeschreibung das Wort „escort“ enthielt. Könnte thematisch tatsächlich anrüchig sein, entpuppte sich zum Glück als Erinnerungsfoto einer Pressereise. Dann das hier: Anfang dieses Jahres habe ich einen Kommentar geliked, in dem das Wort „speed“ vorkam. Ging es um Drogen? Nein, um Speed-Dating.

Und so weiter. Lustigerweise schlägt simplewa.sh auch Alarm, wenn jemand in Posts das Wort „Smoking“ benutzt. Im meinem Fall ging es aber nicht mal um Tabakkonsum, sondern um die Abendgarderobe bei einer Journalisten-Gala. Was für ein langweiliges, piefiges, skandalfreies Dasein führe ich eigentlich?!? Sollten Menschen meines Alters nicht wenigstens ein paar Leichen im Keller haben? Habe ich überhaupt gelebt? Einzige verbliebene Chance: Nach deutschen Problemwörtern muss man auf der Reinigungsplattform in gesonderten Durchläufen suchen. Hoffen wir das Beste.

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