Familiennetzwerke : Sein Leben online teilen

Wenn die Verwandten zu weit weg wohnen, helfen Familiennetzwerke im Internet. So kann man auch über weite Entfernungen die neusten Entwicklungen der Familienmitglieder verfolgen.

Angelika Friedl

Die Großeltern wohnen in München, die Geschwister in Stuttgart, England und den Vereinigten Staaten, Tante und Onkel im Rheinland, man selber lebt mit Partner, Kind und Job in Berlin. So oder so ähnlich geht es vielen Familien. Im Zeitalter des flexiblen Menschen hat es die Großfamilie oder das Bild, das man von ihr hat, ziemlich schwer. Zusammenhalt schaffen da gelegentliche Familientreffen – oder immer mehr auch das Internet. Bestenfalls kann es das Familienleben, das wir offline führen, im Internet abbilden. Spezielle Websites, sogenannte Familiennetzwerke, bieten ihren Nutzern mit privaten Zugängen die Möglichkeit, ein frisches Kinderfoto zu veröffentlichen, online Stammbäume oder für seine Verwandten Familienalben zu erstellen.

EIN PAAR KLICKS ZUM PROFIL

Eines dieser Portale ist familyone.de, dass seit März auf dem Markt ist. Das Leben online teilen – das ist das Motto der Betreiber. Wer die Fotos oder das Video von seiner Geburtstagsfeier den Eltern in Bayern zeigen will, muss sich nur mit Namen und E-Mail-Adresse anmelden. Nach einigen Minuten landet ein Passwort im elektronischen Postfach. Mit wenigen Klicks hat sich der User damit seine eigene Profilseite erstellt. Dort kann er jetzt ein Familienalbum füllen – mit Fotos oder auch Berichten über seine Geschenke. Die URL-Adresse der Website, quasi die eigene Postleitzahl im Internet, kann man bequem als Link an die Eltern verschicken. „Jetzt ist es wichtig, dass man die Zugriffsrechte festlegt, also bestimmt, wer die Seite sehen kann, ob nur die Familie, Freunde oder auch die Öffentlichkeit“, erklärt Anne Daus, Sprecherin von familyone.de. An dem Portal ist Holtzbrinck Ventures beteiligt, eine Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zu der auch der Tagesspiegel gehört.

PRIVATZUGANG EINRICHTEN

Damit die Eltern in Bayern die Fotos von der Geburtstagsfeier und die Reaktion auf ihre Geschenke sehen können, müssen sie sich einen eigenen Zugang einrichten. Um mitzumachen, braucht man nur einen PC mit Internetanschluss. Empfehlenswert ist eine DSL-Verbindung. Die Teilnahme ist kostenlos und soll es, so Daus, auch bleiben. Geplant sind aber Premiumdienste, die dann zum Beispiel einen größeren Speicherplatz bieten. Das eigene Fotobuch im Hardcover–Format kann man jetzt schon drucken lassen. 36 Seiten kosten im Format 20 mal 15 cm knapp 25 Euro. „Es geht uns aber nicht darum, dass man neue Leute kennenlernt, sondern dass der Kontakt unter Verwandten und Freunden verstärkt wird“, sagt die Sprecherin des Portals. So kann man im Familienalbum von seinem letzten Tauchurlaub berichten, den Verwandte oder Freunde auch gleich mit eigenen Beiträgen ergänzen können.

WER IST NOCH ANGESPROCHEN?

Auch bei anderen Portalen hofft man auf das Netzwerk Familie. So wendet sich der Online-Ableger der Zeitschrift „Eltern“ unter familiennetz.eltern.de nicht nur an Verwandte, sondern auch an andere Familien mit Kindern. Verwandt.de richtet sich mit seinen Comicfiguren auf der Homepage eher an ein jüngeres Publikum. Zwar kann man auch bei diesem Betreiber ein geschütztes Familien- und Fotoalbum einrichten und andere zum Mitmachen einladen. Hauptsächlich geht es aber um Stammbäume. Die Ahnenforschung, die früher eifrigen Tüftlern vorbehalten blieb, soll nun jedem zugänglich sein. Man muss nur seine eigenen Daten, die der Verwandten und bekannten Vorfahren in ein Stammbaumschema eintragen. Angehörige können durch eine E-Mail eingeladen werden, am Stammbaum mitzuarbeiten. Dutzende von verwandtschaftlichen Verknüpfungen lassen sich übersichtlich darstellen. Sichtbar ist der Stammbaum nur für die Eingeladenen und den Nutzer selbst. Bei familyone.de kann man ebenfalls seinen Familienbaum aufstellen, genauso wie beim Portal paulsmama.de, das aber mehr den Austausch zwischen Verwandten oder anderen Eltern in den Vordergrund stellt – mit Fotoalben, Blogs und Foren.

FAMILIENNAMEN SUCHEN

Einen Extradienst bietet bei verwandt.de die Rubrik „Karte zum Namen“. Wer sie anklickt, kann auf der nächsten Seite seinen Nachnamen eintippen und bekommt dann auf einer Deutschlandkarte gezeigt, in welchen Regionen dieser am häufigsten verbreitet ist. Die meisten Merkels gibt es zum Beispiel im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg. Verwandt.de kostet nichts, erklärt Sprecher Marlon Werkhausen. Für die Zukunft sind Mehrfachdienste geplant, die Ausdrucke von Familienbüchern, Fotogalerien oder SMS-Benachrichtigungen ermöglichen. Wer wirklich fundiertere Ahnenforschung betreiben will, wird sich nicht allein auf Internetrecherche und das Wissen von Verwandten verlassen können. „Der muss sich aufmachen und Taufbücher und Kirchenakten zu Rate ziehen“, sagt Namensforscher Jürgen Udolph. Unterstützung finden Hobbyforscher auf Seiten wie genealogienetz.de und familysearch.org, eine englischsprachige Website, die über 700 Millionen Namen im Bestand hat.

AUF DATENSCHUTZ ACHTEN

Was passiert mit den Einträgen, die man den Unternehmen freigiebig zur Verfügung stellt? Eine Erklärung zum Datenschutz sollte der Betreiber schon vorgeben, sagt Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. „Die ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber es ist ein Ausschlusskriterium, wenn sie nicht vorliegt.“ In der Erklärung sollte stehen, wie die Daten verwendet werden, wer die Zugriffsrechte hat und auf welche Weise Einwilligungen und Rechte widerrufen werden können. Nach jedem Besuch auf der geschützten Familienseite empfiehlt es sich außerdem, sich abzumelden und das Browserfenster zu schließen, damit unerwünschte Gäste nicht ungeniert ins Fotoalbum gucken können.

familyone.de
familiennetz.eltern.de
verwandt.de
paulsmama.de

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