Festnahmen : FBI gelingt Schlag gegen die Hackerszene

Das FBI hat am Dienstag zwei Hacker, die zum Anonymous-Netzwerk gehören sollen, festgenommen. Zeitgleich wurden drei weitere Personen aus den USA, England und Irland angeklagt. Ihnen werden Cyberattacken auf große Unternehmen und Behörden zugerechnet.

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Hat ein Hacker namens "Sabu" seine Anonymous-Freunde an das FBI ausgeliefert?
Hat ein Hacker namens "Sabu" seine Anonymous-Freunde an das FBI ausgeliefert?Foto: dpa

Unter den Gruppen-Namen Anonymous und LulzSec oder auch Internet Feds haben sich Hacker in den vergangenen Jahren in die Server etwa von Sony, Fox News oder der CIA eingeloggt. Teils digitale Spaßguerilla, teils digitaler Arm politischer Protestbewegung ließen sie mit Massenanfragen die Rechner von Zahlungsunternehmen in die Knie gehen oder veröffentlichten Kundendaten, auch die interne Kommunikation von Sicherheitsbehörden. Diese werten die Anklage jetzt als schweren Schlag gegen die Internet-Guerilla. Man habe führende Köpfe enttarnt.

"Verrat oder Unterwanderungsstrategie der Sicherheitsbehörden?", fragen sich indes die Anhänger des Netzwerks. In Internetforen, auf Twitter schlagen sich Hacker rund um den Globus seit dem späten Dienstag mit der Frage herum, ob einer der Ihren Anonymous und LulzSec tatsächlich an das FBI freihaus geliefert hat. „Die Revolution sagt ich bin, ich war, ich werde sein“, ein Zitat von Rosa Luxemburg, hinterlässt „The Real Sabu“ auf seinem Twitter-Account. „AnonymouSabu ist kein Verräter“, diesen Tweet, der auf eine Erklärung der „anonnews“ verlinkt, verbreiten andere. Der Star-Hacker „Sabu“ soll, so legt die Anklage nahe, derjenige sein, der dem FBI seit dem vergangenen Jahr Einblick in die Szene ermöglicht hat – am Dienstag folgten dann die Festnahmen.

Wie das FBI bestätigt, wurden sechs Hacker, darunter der New Yorker Sabu, die verdächtigt werden, führend bei Anonymous mitzuwirken, vor einem Bundesgericht wegen Computerkriminalität angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, Webseiten von Regierungsbehörden und Privatunternehmen attackiert zu haben. Unter den fünf weiteren Angeklagten sind zwei Briten, zwei Iren und ein US-Bürger, wie die Staatsanwaltschaft in New York mitteilte. 

Dass Sabu seine Anonymous-Freunde allem Anschein nach dem FBI ausgeliefert hat, legt die Erklärung des FBI selbst nahe. Hector Xavier M., alias "Sabu", alias "Xavier DeLeon", alias "Leon", der sich selbst als Mitglied bei Anonymous, Internet Feds, and LulzSec bezeichne, habe sich bereits im August 2011 für schuldig bekannt. Ms. Information und Schuldbekenntnis seien aber erst am am Dienstag offen gelegt worden. Sabu bekennt sich dabei nach den FBI-Angaben zu einer langen Reihe von Cyberattacken. Ihm drohen dafür bis zu 124 Jahre Haft. Die Form, in der die bisher unter Verschluss gehaltene Anklage gegen M. in das Verfahren eingebracht wurde, deutet nach Einschätzung von US-Medien daraufhin, dass der Verdächtige mit den Behörden kooperiert hat.

Ms. Bekenntnis hat nach der Darstellung die Tür für die Anklagen gegen die fünf anderen geöffnet. Ryan A., 23 alias „kayla“, alias „lol“, alias „lolspoon“,  Jake D. alias „topiary“, alias „atopiary“, Darren M. alias „pwnsauce“,  alias „raepsauce“, alias „networkkitten“ und Donncha O. alias „palladium“, die sich alle selbst als  Mitglieder von Anonymous, Internet Feds, und/oder LulzSec, bekannt hätten, werden Angriffe auf Fox News, Sony, den öffentlichen Sender PBS, die US-Sicherheitsfirma HBGary und die irische Fine Gael Partei zur Last gelegt. Der Brite Jake D. alias "topiary" war bereits im Juli 2011 in Schottland festgenommen worden. Der junge Mann, so vermuten die britischen Ermittler, soll als Sprecher von Lulzsec fungiert haben.

Dem jetzt in Chicago verhafteten Jeremy H.  werfen die Behörden auch den Hack beim Strategieberatungsunternehmen Stratfor im Dezember 2011 vor. Die Statfor-Unterlagen fanden über die Internetplattform Wikileaks in diesem Jahr ihren Weg an die Öffentlichkeit. Auch die Digitalattacken gegen Visa, Paypal und Mastercard standen in Zusammenhang mit Wikileaks. Die Finanzunternehmen hatten die Weitergabe von Zahlungen an Wikileaks verweigert, nachdem die Plattform um den Australier Julian Assange geheime US-Diplomatenkabel veröffentlicht hatte.

Im vergangenen Monat präsentierte Anonymous den Mitschnitt einer vertraulichen Telefonkonferenz zwischen FBI-Agenten und britischen Ermittlern vom 17. Januar. Darin verständigten sich die Sicherheitsbehörden über ihr Vorgehen gegen die international agierenden Hacker.

"Anonymous hat keine Führer",  heißt es jetzt auf dem Anonymous-Twitter-Account. "Wir werden stärker sein als je zuvor." Lulzsec gebe es schon seit einer Weile nicht mehr.

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