Google-Kauf von Heimvernetzer Nest : Ein Geschäft von Orwellschem Ausmaß

3,2 Milliarden Dollar lässt sich Google die Übernahme der US-Firma Nest kosten. Der Konzern streckt seine Fühler damit weit in die Privatsphäre der Menschen. Auf Europa kommt ein ähnliches Problem zu.

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Datensammeln leicht gemacht: Die Firma Nest stellt vernetzte Thermostate und Rauchmelder her.
Datensammeln leicht gemacht: Die Firma Nest stellt vernetzte Thermostate und Rauchmelder her.Foto: AFP

So nah dran an den Menschen war Google selten. Mit der 3,2 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Heimvernetzungsunternehmens Nest erhält Google Zugang zu Millionen von US-Haushalten, zu denen der Konzern nun seine Fühler ausstrecken kann. Wettbewerbsrechtliche Hinderungsgründe gibt es zwar offenbar keine, gleichwohl hat dieses Geschäft Orwellsche Ausmaße.
Die Technik ist vergleichbar mit intelligenten Stromzählern, die in der Europäischen Union vom Jahr 2020 an die alte Technik ablösen soll. Mit der SmartMeter-Technik ist es nicht mehr nötig, den Zählerstand mühsam abzulesen. Die intelligenten Stromzähler übertragen die Informationen über das Stromnetz an den Anbieter. Der Europäische Datenschutzbeauftragte hat dagegen massive Bedenken. Aus gutem Grund, denn die smarten Zähler messen mehr als nur die verbrauchten Kilowattstunden. Vielmehr können damit Verhaltensmuster ermittelt werden, eine ganz neue Dimension von Data Mining sei möglich, so der Datenschützer, der davor warnt, dass damit ganz neuen Formen von Marketing, Werbung und Preisdiskriminierung die Tür geöffnet werden.

Was für Stromzähler gilt, trifft verständlicherweise genauso auf vernetzte Rauchmelder und Thermostate zu. Sowohl bei den Stromzählern als auch bei den Nest-Produkten lassen die übermittelten Daten Rückschlüsse auf den privaten Lebensbereich zu.
Als herauskam, dass Google bei seinen Fotofahrten für den Street-View-Dienst nebenbei die Namen und Adressen von privaten Wlan-Routern ermittelt hatte, konnte man dem Konzern möglicherweise noch glauben, dass es sich um ein Versehen gehandelt hat. Beim Kauf von Nest kann es eine solche Vermutung nicht geben. Nest-Gründer Tony Fadell kennt die Problematik und hat bereits versucht, Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Man habe sogar ein eigenes Hackerteam, das Schwachstellen sucht, um sie dann schließen zu können, erklärte er. Dass Behörden Zugriff auf die Daten bekämen, sei nur in Ausnahmefällen möglich, versprach Fadell. Google betont überdies, dass die Datenschutzrichtlinie von Nest nur die Nutzung der Daten für den Betrieb der Produkte zulässt.

Einmal abgesehen davon, wie weit die Macht staatlicher Stellen in den USA ohnehin reicht, ist aber allein die Vorstellung, was Google künftig über die Lebensgewohnheiten der Menschen erfährt, beklemmend genug. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis selbst in den USA Stimmen laut werden können, die eine Entflechtung des Mega-Konzerns Google fordern. Kurt Sagatz

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