Navigationsgeräte : Digitale Fährtensucher

Handys mit GPS-Funktion sind zwar kein vollwertiger Navi-Ersatz. Den Stadtplan ersetzen sie allemal.

Kurt Sagatz
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Die Zeitangaben sind mitunter etwas optimistisch, ansonsten führt Google Maps sicher zum Ziel. Praktisch: die Routenberechnung für...

Immer mehr Handys verfügen neben Digitalkamera und MP3-Player auch über ein GPS-Modul. Ein vollwertiger Ersatz eines Navigationsgerätes sind sie dennoch nicht. Zu leise die Sprachausgabe, zu klein die Displays, zu lange die Routenberechnung, fand die Stiftung Warentest heraus (Heft 06/2009) und wurde in ihrem Urteil am Donnerstag von einem ähnlichen Test des ADAC bestätigt. Die eingebaute Satellitenortung kann dennoch hilfreich sein, auch ohne teure Navi-Karten fürs Handy oder kostspielige Abrufdienste. Auf vielen Handys lässt sich der vom Computer bekannte Kartendienst Google Maps installieren oder befindet sich bereits auf dem Mobiltelefon. Damit findet man auch in fremden Großstädten immer seinen Weg. Wir haben uns Google Maps auf den T-Mobile-Smartphones iPhone, dem Google-Handy G1 und dem Organizer-Handy MDA angesehen.

Der größte Vorteil von Google Maps ist, dass dieses Kartensystem in der Anschaffung kostenlos ist und keine regelmäßigen Kosten anfallen. Umsonst ist die Nutzung von Google Maps dennoch nicht, je nach Mobilfunkvertrag fallen Kosten für den Datenverkehr an. Wie bei allen Datendiensten empfiehlt sich eine Datenflatrate oder ein Vertrag mit entsprechendem Datenvolumen. Vor Auslandsreisen sollte man die Kosten für die Datenübertragung klären.

Angenehm unkompliziert ist die Eingabe von Start- und Zielort beim G1 und dem MDA. Mit zwei Fingertipps ist der aktuelle Ort als Startpunkt ausgewählt, für das Ziel wird entweder Ort, Straße und Hausnummer hintereinander ins Suchfeld eingetragen oder die gesuchte Sehenswürdigkeit wie beispielsweise „Zitadelle Spandau“ oder „Siegessaeule Berlin“. Hier legen viele Stand-alone-Navis viel mehr Wert auf die Einhaltung von Konventionen. Um beim iPhone den aktuellen Standort als Startpunkt auszuwählen ist ein zusätzlicher Befehl nötig, in dem man manuell eine Stecknadel in die virtuelle Karte steckt. Praktisch an iPhone, G1 und MDA: Als Start- oder Zielpunkt kann die Adresse eines Kontaktes ausgewählt werden. Oder man schaut mit dem eingebauten Internetbrowser nach, wie zum Beispiel die Adresse des gesuchten Ikea-Einrichtungshauses lautet.

Das iPhone punktet beim Verändern des Kartenausschnitts. Wie bei Fotos wird der Ausschnitt durch Spreizen oder Zusammenziehen von Daumen und Zeigefinger vergrößert beziehungsweise verkleinert. Beim Google-Handy G1 und dem MDA-Smartphone wird beim Tippen auf den Bildschirm eine Leiste mit einem Plus- und Minuszeichnen zum Vergrößern beziehungsweise Verkleinern angezeigt. Das ist etwas umständlicher, aber kein Handikap.

Die Ortung kann einerseits über die Funkzellen des Handynetzes erfolgen. Dabei wird der Aufenthaltsort durch die Signalstärke der in der Nähe befindlichen Funkmasten ermittelt. In Großstädten wird damit bereits eine erstaunlich hohe Genauigkeit unter 100 Metern erreicht, richtig genau wird es allerdings erst beim Zuschalten der GPS-Funktion.

Beim iPhone wird nicht nur zwischen verschiedenen Kartenansichten (reine Karte, Satellit oder eine Mischform) ausgewählt, zudem unterscheidet Google Maps auch zwischen Auto, Bus und der Fortbewegung als Fußgänger. In den meisten Fällen errechnet Google Maps identische Routen, aber in direkter Nähe einer Fußgängerzone spielt der Unterschied zwischen Auto und Fußgänger eine entscheidende Rolle, um zum Beispiel durch die Wilmersdorfer Straße auf dem schnellsten Weg zum Ziel zu gelangen. Das G1 und der MDA kennen diesen Modus nicht.

Als Offroad-Navi ist Google Maps nur bedingt tauglich. Per GPS ist die Ortung kein Problem. Das System kennt auch einige größere Wege im Grunewald. Allerdings war es in unserem Test nicht möglich, den direkten Weg zwischen S-Bahnhof Grunewald und Teufelssee oder weiter Richtung Postfenn zu finden. Allein auf Google Maps angewiesen, hätte man als Fußgänger einen gewaltigen Umweg in Kauf nehmen müssen.

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