Netz-Giganten : Yahoo und Microsoft greifen gemeinsam Google an

Neue Runde im Suchmaschinen-Wettkampf: Yahoo gibt die eigene Suche auf und nutzt Bing von Microsoft. Zusammen, so hoffen beide, könne man gegen Google Boden gutmachen.

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Yahoo will künftig die Suchmaschine Bing des Konkurrenten Microsoft einbinden - beide Konzerne haben einen gemeinsamen Gegner. -Screenshot: Tso

Microsofts Suchmaschine Bing wird die von Yahoo ersetzen. Das gaben beide IT-Konzerne am Mittwoch gemeinsam bekannt. Die Vereinbarung inklusive der Teilung der damit erwirtschafteten Umsätze läuft für zehn Jahre. Das Business-Modell sieht laut Wall Street Journal vor, dass Yahoo in den ersten drei Jahren den kompletten Umsatz aus der Suchmaschinenwerbung erhält. Im Gegenzug wird Yahoo exklusiv alle Online-Suchanzeigen für die Premium-Kunden beider Firmen vermarkten. Und Microsoft baut Suchtechniken von Yahoo in sein Produkt Bing ein.

Es ist das Bündnis der Verlierer, das dort geschlossen wurde. Der Markt für Suchmaschinen und der für Onlinewerbung wird derzeit von Google dominiert. Yahoo hat den Kampf gegen den Riesen längst verloren. Microsoft wollte noch nicht aufgeben und versucht schon länger, Yahoo zu kaufen, um größer zu werden. 47,5 Milliarden Dollar hatte man dafür im vergangenen Jahr geboten, doch Yahoo-Gründer Jerry Yang lehnte ab, in der Hoffnung auf mehr. Er musste unter anderem deswegen seinen Posten räumen. Yahoos Versuch, sich mit Google zu verbünden und auf die Seite der Sieger zu wechseln, scheiterte an wettbewerbsrechtlichen Problemen. Yangs Nachfolgerin, Carol Barzt, hat nun einen neuen Weg gesucht und gefunden.

Die Vereinbarung werde Yahoo pro Jahr 500 Millionen Dollar operativen Gewinn einbringen, schätzen Beobachter. Gleichzeitig kann das Unternehmen nach eigenen Angaben weitere 275 Millionen Dollar sparen, da es seine Suchmaschine nicht mehr entwickeln muss, Kosten in dieser Höhe aber bereits eingeplant hatte. Microsoft hingegen schafft damit zumindest in den USA im Suchmaschinensegment auf Anhieb einen Marktanteil von 30 Prozent. Bing wäre damit die Nummer zwei nach Google, die dort 65 Prozent erreichen. Allein wäre dieser Sprung auf absehbare Zeit nicht möglich gewesen.

Ob der Deal lohnt, beziehungsweise ob er lohnend genug ist, lässt sich derzeit nicht sagen. Zumindest aber entsteht für Anzeigenkunden und für Suchmaschinennutzer zum ersten Mal seit Jahren eine Alternative zu Google. In Europa ist der Erfolg geringer, hier liegt Google noch weiter vorn.

Möglicherweise zieht das trotzdem genug Menschen auf die Seiten, um weiter wachsen und auch besser werden zu können. Derzeit krankt Bing unter anderem daran, dass die Technologie zwar funktioniert, die Qualität der Ergebnisse aber eher durchwachsen ist. Damit Suchmaschinen effektiv arbeiten können, brauchen sie sehr große Datenmengen – je mehr mit ihnen suchen, desto besser können sie auswerten, ob die ausgelieferten Ergebnisse auch gut sind. Je länger also Google vorne liegt, desto stärker wird die Position des Konzerns.

Die Kooperation erstreckt sich nur auf Werbung und auf die Suche. In allen anderen Bereichen wolle man weiter unabhängig voneinander agieren, wie beide Firmen erklärten. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörde. (sp/dpa/rtr)

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