Protest via Hashtag : Aufschrei gegen Diskriminierung psychisch Kranker

Eine Protestaktion im Netz versucht auf die Diskriminierung von psychisch Kranken aufmerksam zu machen. Und hofft auf einen ähnlichen Effekt wie die Aufschrei-Kampagne.

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Twitter wird immer häufiger dazu benutzt, auf soziale Missstände aufmerksam zu machen.
Twitter wird immer häufiger dazu benutzt, auf soziale Missstände aufmerksam zu machen.Foto: dpa

"Schizophrene sind doch alle Schwerverbrecher." - derartigen Diskriminierungen sehen sich psychisch Kranke, die offen mit ihrer Erkrankung umgehen, häufig ausgesetzt. Das Schlagwort "isjairre", welches sich im sozialen Netzwerk Twitter etabliert, sammelt Reaktionen wie diese.

Protest über die sozialen Kanäle im Netz zu kommunizieren ist keine neue Idee. Die gesellschaftliche Diskussion über virale Effekte anzustoßen oder zu verstärken hatte zuletzt Anne Wizorek mit dem Hashtag "Aufschrei" erfolgreich versucht. Die Kampagne, bei der Nutzerinnen ihren Protest gegen alltäglichen Sexismus zum Ausdruck brachten, war im Juni mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden.

In der Begründung der Jury hieß es damals, dass erst durch die Aufmerksamkeit, die die Aufschrei-Kampagne auf Twitter erzeugt habe, die gesellschaftliche Diskussion über Sexismus an Dynamik gewonnen und dann in aller Breite auch in anderen Medien geführt worden wäre.

Einem ähnlichen Mechanismus bedient sich das von @Sassyheng initiierte Schlagwort "isjairre", bei dem auf die Diskriminierung von psychisch Kranken hingewiesen werden soll. Unter dem entsprechenden Hashtag sammeln sich seit dem 23. Oktober kurze Statements, die ein Bild der Reaktionen liefern, welchen sich Menschen wegen psychischer Krankheiten, Traumata, Autismus und anderer "Störungen" ausgesetzt sehen.

Neben den wohl häufigsten Formen von "stell dich nicht so an" und Vorwürfen lediglich Aufmerksamkeit zu suchen oder zu empfindlich zu sein, liefern die Twitterbeiträge ein erschreckendes Bild von Un- und Missverständnissen. Bereits jetzt zweifeln Kritiker der Aktion die Authentizität der Beiträge an - eine weitere Parallele zur Aufschrei-Kampagne. Auch hier mussten sich Anne Wizorek und ihre Mitstreiter diesem Vorwurf stellen. Bei "Aufschrei" hatten sich tausende Frauen, vor allem im Microblogging-Dienst Twitter, über alltäglichen Sexismus, vom Herrenwitz bis zur körperlichen Attacke, beschwert. Rund 15 000 Tweets wurden allein zwischen dem 25. und 31. Januar verschickt.

Ob das Echo bei #isjairre ähnlich groß ausfällt, wird sich zeigen. Zwischenzeitlich gehörte das Schlagwort bereits zu den am häufigsten benutzten Schlagworten im deutschsprachigen Raum.

Ähnlich wie Aufschrei, könnte #isjairre ein Anfang sein, um ein Umdenken für den Umgang im alltäglichen Miteinander anzuregen.

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