Spiele für unterwegs : Pokémon-Tastaturen und magische Kameras

Die neuen Spiele für Nintendo DS und Playstation Vita reizen die technischen Möglichkeiten der Konsolen komplett aus.

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Neues Spiel für die Vita-Konsole: "LittleBigPlanet".
Neues Spiel für die Vita-Konsole: "LittleBigPlanet".Screenshot: Sony Computer Entertainment

Lesen und Schreiben gelten als die wichtigsten Kulturtechniken. Allerdings hat die Computerisierung der Welt dazu geführt, dass das Tippen inzwischen mindestens genauso bedeutend ist wie das handschriftliche Schreiben. In vielen Berufen spielt der Stift längst eine geringere Bedeutung als die Tastatur. Das Spiel „Lernen mit Pokémon: Tasten-Abenteuer“ für Nintendo DS und Nintendo 3DS mit seiner vollwertigen Drahtlostastatur kann Kindern dabei helfen, flüssig tippen zu lernen, statt mit dem Zwei-Finger-Suchsystem ewig um die gesuchten Buchstaben herumzukreisen. Es fängt einfach an. Zuerst reicht es, den ersten Buchstaben des gerade ins Bild kommenden Pokémon einzutippen, zumal es sich in diesem Stadium noch um bekanntere Figuren wie Floink und Glurak handelt. In 60 Aufgaben werden 400 Pokémons erforscht. Je mehr die Fingerfertigkeit zunimmt, desto komplizierter werden die Aufgaben. Bald müssen die kompletten Namen von Sesokitz oder Kronjuwild eingegeben werden, je schneller, desto besser. Echte Pokémon-Experten sind im Vorteil, sie müssen mit dem Eintippen nicht warten, bis der Name der Figur eingeblendet wird. Ist der Ehrgeiz erst einmal geweckt, wird das Tippen immer flüssiger – die ebenfalls vorhandene Fingerbelegungstabelle hilft bei der richtigen Handhaltung. Die Tastatur ist nur etwas kleiner als das gewohnte Computer-Keyboard, die Tastenbelegung entspricht der Norm. Das „Tasten-Abenteuer“ kostet rund 55 Euro, eine USK-Altersbeschränkung gibt es nicht, allerdings sollte der Spieler lesen können.

Das Prädikat „Pädagogisch wertvoll“, das für die „Tasten-Abenteuer“ mit den Pokémons absolut berechtigt wäre, strebt der Nintendo-Titel „Spirit Camera“ freilich nicht an, dennoch ist es für Spieler ab 16 Jahren durchaus eine Empfehlung wert. Die „Spirit Camera“ nutzt die rückwärtige Kamera der Nintendo-3DS-Konsole, um in einem „verfluchten Tagebuch“ Geisterbilder erscheinen zu lassen. Der Trick basiert auf der sogenannten Augmented-Reality-Technik (AR). Die Kamera erkennt auf einem Objekt bestimmte Muster – beispielsweise einen AR-Code – auf dem Bildschirm wird die Kameraaufnahme um virtuelle Bilder ergänzt. Beim „Spirit Camera“-Spiel kommen zusätzlich die 3-D-Fähigkeiten der Nintendo-Konsole zum Tragen. Der Spieler muss sich öfter im Raum umschauen, um das dreidimensionale Geisterbild auf seinem Display zu sehen. Die Konsole wird dabei im Spiel zur Camera Obscura, die unsichtbare Dinge enthüllt und dem Spieler hilft, dem Fluch des Tagebuchs zu entgehen. Nur mit der Kamera kann Kontakt zu Maya aufgenommen werden, einem Geist, der die Hinweise zum Entschlüsseln der Rätsel kennt. Andere Geister sind weniger harmlos, doch lassen sie sich mit dem Kamerablitz blenden. Insgesamt ein außergewöhnliches Spiel, das etwas zu schnell durchzuspielen ist. (26 Euro).

Im Februar brachte Sony seine Mobilkonsole Playstation Vita auf den Markt. Mit schnellem Prozessor und Hochglanzgrafik soll das Handheld ein Spielerlebnis für unterwegs bieten, wie es sonst nur auf der heimischen Konsole möglich ist. Auch die Steuerung hebt sich von Smartphones und Tablets ab: Die Vita lässt sich nicht nur mit Wischgesten steuern, sondern auch ganz klassisch über Analogsticks, Richtungs- und Schultertasten. Doch der Erfolg einer neuen Konsole hängt vor allem davon ab, ob die Publisher genügend hochwertigen Spielenachschub liefern. „LittleBigPlanet“ ist eines der beliebtesten Geschicklichkeitsspiele für die Playstation 3: Bereits seit 2008 rennen, hüpfen und klettern die Häkelpuppen durch fantasievoll gestaltete Hinderniskurse. Nun haben Sackboy und Kollegen den Sprung auf die Vita geschafft – und wurden dafür auf der diesjährigen Gamescom mit dem Titel des besten Mobilspiels ausgezeichnet. Die Geschichte von „LBP Vita“ (40 Euro, keine Altersbeschränkung) ist schnell erzählt: Ein böser Puppenspieler hat den Planeten Carnivalia unter seine Kontrolle gebracht – die Marionetten bitten Sackboy um Hilfe. Das Spiel glänzt durch physikbasierte Rätsel und Hindernisse: Allein oder mit bis zu drei Mitspielern schwingt man sich wie einst Tarzan von Seil zu Seil, holt an rotierenden Rädern Schwung, fliegt mit Raketenantrieb durch die Luft oder schwimmt durch Wasserbecken. Die erweiterte Steuerung der Vita erweist sich dabei als echte Bereicherung: So kann der Spieler über das rückwärtige Touchpad Plattformen bewegen, Trampoline platzieren und Schleudern auslösen. Die Vita-Version von LittleBigPlanet verfügt über einen leistungsfähigen Editor, mit dem Spieler eigene Kurse basteln oder ganz neue Spiele kreieren können – erst kürzlich stellte die Community mit sieben Millionen Eigenbau-Welten einen neuen Rekord auf.

Eine weitere lohnende Anschaffung für Sonys Konsole ist „Sound Shapes“: Der Download-Titel (13 Euro, keine Alterskennzeichnung) ist eine originelle Mischung aus Geschicklichkeits- und Musikspiel. Hauptdarsteller ist ein kleiner Ball, den der Spieler durch abstrakte Welten steuert. Der Ball hüpft von Plattform zu Plattform, gleitet kopfüber an der Decke entlang oder rast mit ordentlichem Schwung über Sprungschanzen – hüten muss er sich dabei vor Monstern, Stacheln und roten Lavaseen. Die Musik kommt beim Punktesammeln ins Spiel: Jeder Bonus löst einen bestimmten Ton aus, die Töne summieren sich nach und nach zu einer eigenständigen Melodie aus Bässen, Zimbeln und Synthesizer-Klängen. Wer dem Takt der Musik folgt, kann den Hindernissen besser ausweichen – gleichzeitig entfaltet das Spiel eine enorme Sogwirkung. Das Beste: Jeder Spieler kann über den mitgelieferten Editor eigene Level bauen und damit Musik komponieren.

Das englische Wort Puddle bedeutet Pfütze – und um Flüssigkeiten geht es im gleichnamigen Download-Spiel für die PS Vita (sieben Euro, keine Altersbeschränkung). Durch Neigen der Konsole lotst der Spieler eine bestimmte Dosis Öl, Kaffee oder auch Quecksilber durch einen Hindernisparcours. Dabei muss er aufpassen, dass nicht zu viel von der Flüssigkeit auf der Strecke bleibt, sonst gilt das Level als gescheitert. Den besonderen Reiz von „Puddle“ macht das Experimentieren mit physikalischen Gesetzen und chemischen Reaktionen aus. Öl beginnt in der Nähe von Hitzequellen zu brennen. Quecksilber wiederum benötigt Hitze dringend, um nicht unterwegs zu erstarren. Bei diesem Spiel werden somit ganz andere Kulturtechniken benötigt.

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