Doku-Soaps : Pauker, Pizza, Bause

Die Reality-Doku-Soap-Welle rollt im Januar mit nie gekannter Heftigkeit in deutsche Haushalte.

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317137_0_e72dc320.jpg Foto: ZDF
Gülcan Kamps. -Foto: ZDF

Irgenwann muss einer damit begonnen haben, und dann hatten alle dieselbe Idee. Drei Sender starten drei Reality-Shows. Der Zug der Fernseh-Lemminge startet am Donnerstag, 14. Januar. Am auffälligsten agiert ZDFneo, das jüngst auf die TV-Welt gekommene Programmkind des Zweiten Deutschen Fernsehens. ZDFneo soll jüngere Zuschauer als den durchschnittlich 61 Jahre alten ZDF-Seher ziehen, deswegen wird das von den kommerziellen Sendern begründete Format der Reality-Show ins öffentlich-rechtliche Fernsehen umkopiert und „Doku-Soap“ geheißen: „Die Promi-Pauker“ in fünf Teilen, angekündigt als „ein spannendes schulisches Abenteuer“. Drei unterschiedliche Persönlichkeiten unterziehen sich in einer Gesamtschule im Rhein-Erft-Kreis dem Versuch, jeweils eine Woche lang als Lehrerin oder Lehrer zu reüssieren: Heide Simonis, ehemalige SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein und ehrenamtliche Bundesvorsitzende von Unicef Deutschland, Manuel Andrack, ehemaliger „Sidekick“ in der „Harald-Schmidt- Show“, Wanderer und TV-Produzent, schließlich die Fernsehmoderatorin Gülcan Kamps.

Jeder Promi muss sich vor einer Klasse unter den kritischen Augen eines Fachlehrers beweisen. Das größte Interesse, wenn nicht die größte Schadenfreude wird Gülcan Kamps auf sich ziehen. Geboren als Gülcan Karahanci vor 26 Jahren in Lübeck, bewegt sie sich schon lange, kreischig und professionell durch das Medium. Viva ohne Gülcan ist undenkbar. Zwischendurch mistete sie Schweineställe aus, 2007 heiratete sie in der achtteiligen Doku-Soap „Gülcans Traumhochzeit“ ihren Verlobten Sebastian Kamps. Der lustig-eindimensionale, um nicht zu sagen prollige Bäckereiketten-Erbe könnte durchaus noch etwas Schulbildung vertragen, er soll als Manager seiner cleveren Frau arbeiten, die das Gymnasium mit Abitur verlassen hat. Nach den Dreharbeiten zu „Promi-Pauker“ hat Gülcan den sibyllinischen Satz hinterlassen: „Die größte Überraschung war für mich die Metamorphose von Gülcan zu Gülcan!“

Während ZDFneo irgendwie einen pädagogischen Ansatz hat, wird es bei Pro Sieben krass. „Die Model-WG“ versammelt jene, die bei Heidi Klum nicht „Germany’s Next Topmodel“ wurden. Sechs Mädchen und der „GNT“-Modelexperte Peyman Amin suchen – natürlich nach Drehbuch – Aufträge, Ruhm und Aufmerksamkeit zwischen Posen und Putzen. Es wird ein bisschen glamourös dank Luxusloft, vielleicht auch ein bisschen tragisch, weil es für die große Laufstegkarriere nicht reicht, sondern nur für Kataloge und sonstiges Shooting in der zweiten und dritten Reihe.

Frei von jedem Anspruch, doch gleichfalls in der Gewichtsklasse der C- bis Z-Promis kündigt sich „Pizza, Pasta & Amore“ an, ebenfalls am 14. Januar am Start, ebenfalls bei Pro Sieben. Jana Ina und Giovanni Zarrella wollen etwas ganz Neues starten – ihr eigenes Restaurant. Das Paar wurde für Pro Sieben schwanger, bekam für Pro Sieben ein Baby und soll sich mit Pro Sieben einen lange gehegten Traum erfüllen. Warum Pro Sieben dies als „Celebrity-Doku“ verkauft, das weiß nur Pro Sieben.

Unterm Strich sind alle drei Reality-Doku-Soaps nur schwächliche Versuche, der Königin des Formats am Zeug zu flicken. Inka the one and only Bause holt sich ab 31. Januar zwölf Kandidaten auf die RTL-„Farm“. Zehn Wochen lang muss ein Menschenzoo mit Ex-Erotikdarstellerin, tierlieber Heilerin, schüchternem Klavierbauer und homosexuellem Nageldesigner ohne Strom, fließend Wasser und Fernseher das Leben in Norwegen meistern.

Was nach einer Mischung aus „Dschungelcamp“ (fällt dieses Jahr aus Kostengründen aus) und „Bauer sucht Frau“ aussieht, ist genau dieses. Inka Bause wird nicht zögern, die ungelernten Landwirte ordentlich zu triezen und zu motivieren, damit am Ende der würdige „Farmer des Jahres“ gekürt ist. Es ist alles andere als unwahrscheinlich, dass eine Kandidatin nach der langen Prüfung zu einem Kandidaten sagen wird, was die liebreizende Narumol zu ihrem ehrlichen Milchbauern Josef nach Wochen der Prüfung und in aller Unschuld gesagt hat: „Ich bin fick und fertig.“ 

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