Doku : Vermasselte Freiheit

Eine vierteilige Arte-Reihe "Auf den Spuren von Easy Rider". Dennis Hopper erzählt, und Peter Fonda. Nur einer fehlt, der heute größte Star von allen.

von
Easy Rider: Peter Fonda als Wyatt (li.) und Dennis Hopper als Billy.
Easy Rider: Peter Fonda als Wyatt (li.) und Dennis Hopper als Billy.Foto: ZDF / © Laszlo Kovacs

Dennis Hopper hatte am Ende eine fast vierstündige Schnittfassung fertig. Der Film „wurde mir weggenommen“, sagt der mittlerweile verstorbene Autor, Regisseur und Darsteller von „Easy Rider“ in der vierteiligen, am Donnerstag startenden Dokumentation, die sich mit Entstehung und Wirkung des amerikanischen Road Movies von 1969 beschäftigt. Besonders betrübt sieht er 40 Jahre später nicht aus, aber schade ist es allemal, dass seine vermutlich reichlich psychedelische Version des gemeinsamen Film-Trips mit Peter Fonda nicht erhalten ist. In den Kinos sorgte schließlich eine 95 Minuten lange Fassung für Furore. Die sei „nicht besser, aber zugänglicher“, sagt Produzent und Darsteller Fonda, der heute noch so aussieht, als sei er gerade erst vom Sattel seines Choppers gestiegen. „Easy Rider“ spielte im ersten Jahr 60 Millionen US-Dollar ein und gewann in Cannes den eigens dafür ins Leben gerufenen Preis für das beste Erstlingswerk.

Vor allem aber war er der Film zum Lebensgefühl der späten 60er Jahre. Der moderne Western einer rebellischen Generation. Zwei Männer auf der Suche nach dem viel beschworenen wahren Amerika. „Born to be wild“ in endloser Weite. Sie koksen und kiffen, nehmen dank LSD auf einem Friedhof einen besonderen Abstecher, begegnen Hippies und Farmern, Prostituierten und Polizisten, werden verprügelt und schließlich von Hinterwäldlern im Süden, dem Herzen Amerikas, erschossen. „Was wir repräsentieren, ist ein schlechter Haarschnitt“, sagt Billy (Dennis Hopper) am Lagerfeuer. Wyatt (Peter Fonda) antwortet: „Was du repräsentierst, ist Freiheit.“ Allerdings sagt er am Ende, kurz vor ihrem Tod, auch: „We`ve blew it“ („Wir haben's vermasselt“). Fonda amüsiert sich noch heute königlich darüber, dass die Nachwelt über diesen Satz rätselt. Der Film, in fünf Wochen Drehzeit mit zahlreichen Laien zusammenimprovisiert, veränderte jedenfalls das verschnarchte Hollywood-Kino. Musik und Motorräder wurden Kult.

Es gibt viel zu erzählen, und die Autoren Hannes Rossacher und Simon Witter nehmen sich vier Folgen à 52 Minuten lang Zeit. Die Reihe ist ein Fest für Cineasten und Sechziger-Jahre-Nostalgiker, auch der Filmzitate (OmU) und der Musik wegen. Zu hören sind Steppenwolf, The Byrds, Jimi Hendrix, Bob Dylan und andere. Meist aber wird geredet, doch langweilig wird es nie: Fonda und Hopper erinnern sich noch lebhaft an viele Details – und Streitigkeiten. Die Musiker Country Joe McDonald, Roger McQuinn und Kris Kristofferson geben Interviews, Schauspieler Peter Coyote auch, außerdem Journalisten, Historiker und Filmkritiker. Nur einer fehlt, der heute größte Star von allen: Jack Nicholson, der den versoffenen Anwalt George Hanson spielte.

Als dramaturgische Klammer begleiten die Autoren zwei Hardcore-Fans von „Easy Rider“ - natürlich auf ihren Motorrädern – entlang der Filmroute. Manche Schauplätze sehen noch so aus wie früher, andere sind verschwunden. Und wie hat sich Amerika insgesamt verändert? Die Autoren versuchen den ganz großen Bogen zu schlagen, thematisieren Rassismus und Obamas Präsidentschaft (was nicht ganz aktuell ist), diskutieren (allzu ausgiebig) die Drogenpolitik der USA und suchen nach Spuren der Hippie-Kultur. Es wirkt etwas angestrengt, wenn auch noch aufgrund eines kurzen „Easy Rider“-Dialogs die Ausrottung der Indianer herhalten muss. Dafür sagen manche Bilder wie das vom Biker-Friedhof in Rye mehr als Worte. Dorthin bringen die Motorrad-Freaks ihre alten Maschinen - zur ewigen Ruhe wohlgemerkt, nicht zum Verschrotten. Dort stehen sie nun in Reih' und Glied, so weit das Auge reicht, und ihre Besitzer, man möchte sagen: Angehörigen, können ein paar Blumen niederlegen.

„Auf den Spuren von Easy Rider“; Arte, Start am Donnertsag, 7. April, 22 Uhr 10, weitere Folgen am 14., 21. und 28. April

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben