Medien : Doping geht an die Nieren

Spendershow und Tour-TV Ein VERGLEICH von Joachim Huber

Das Nieren-TV des niederländischen Senders BNN war eine Inszenierung. Die einen sprechen vom brillanten Bluff, andere von einer groben Geschmacklosigkeit, Dritte gar von moralischer Verkommenheit. Tenor: Den Niederländer in seinem Lauf hält keiner auf. Die germanischen Sender öffentlich-rechtlicher Provenienz auch nicht. Was dem BNN seine Spendershow, ist ARD und ZDF die Tour de France.

Im „Politbarometer“ wurde am Freitag eine Umfrage veröffentlicht, wonach 89 Prozent der Deutschen das Doping beim Radsport für die Regel halten. Am selben Tag hat sich der ZDF-Fernsehrat mit sehr knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, der Sender solle auf die Übertragung der Tour verzichten. Das hat Intendant Markus Schächter nachdenklich gemacht, trotzdem wird an der TV-Tour 2007 vorerst festgehalten. Vom 7. Juli an wollen sich ARD und ZDF in der Live-Berichterstattung abwechseln.

Böse, blinde Buben? Die Medien, der Sport, das Publikum, das ist auch Trio infernale. Erik Zabel, der gerade noch öffentlichkeitswirksam Tränen bei seinem Doping-Geständnis vergossen hatte, gewinnt bei der Bayern-Rundfahrt, das Fernsehen zeigt den strahlenden Sieger, am Straßenrand jubeln die Fans.

Bei der Tour de France wird die Absurdität noch gesteigert. ARD und ZDF zahlen aus Gebührengeldern eine sechsstellige Summe für die Übertragungsrechte. Sie kaufen sich in ein Ereignis ein, von dem sie annehmen können, dass sie es nach einem Tag abbrechen müssen. In enger Manndeckung werden die Kommentatoren der Sender die Kartographie des französischen Käses entwerfen, zugleich werden ihre Dopingexperten bei jedem Zick-Zack-Kurs der Tour-Helden bedenklich mit den Köpfen wackeln. Permanente Nähe, permanente Distanz, das wird ein öffentlich-rechtlicher Eiertanz par excellence. Die Zuschauer werden sich – gedopt oder nicht – in die Fernsehsessel werfen und die Tour verfolgen. Und weil sich die Perspektive verschoben hat, warten wir nicht auf den ersten Sieger, sondern auf den ersten Dopingfall. Spannung muss sein.

Und all das lässt uns trotzdem über die die „Grote Donorshow“ der Niederländer krank werden? Frau Antje, Euer Nierchen bitte!

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