Doppelstrategie : Eine Zeitung, zwei Webseiten

Der „Boston Globe“ will seine Einnahmen steigern und fährt darum im Internet zweigleisig.

Christian Helten

Die US-Tageszeitung „The Boston Globe“ will eine neue Internetseite starten. Das Portal mit der Adresse Bostonglobe.com soll in der zweiten Hälfte 2011 den bereits vorhandenen Internetauftritt Boston.com ergänzen. Doppelt hält besser? Nein, der „Globe“ will ein neues Erlösmodell etablieren.

Nur gegen Bezahlung eines Abonnements sollen die Leser die Inhalte der neuen Seite abrufen können. Zu lesen bekommen sie dafür den gesamten Inhalt des Printprodukts – Analysen, Hintergrundberichte, Meinungsstücke, Fotos und Grafiken. Es wird deutlich weniger (und weniger aufdringliche) Werbung geben als auf der bisherigen Website Boston.com, die aktuell von etwa fünf Millionen Lesern im Monat besucht wird und damit eine der größten Zeitungswebseiten der USA ist. Der Preis für das neue Online-Abo steht noch nicht fest, geplant ist aber, dass Abonnenten der Zeitung das digitale Angebot ohne Aufpreis nutzen können. Die alte Seite bleibt weiterhin umsonst zugänglich, auch da müssen Leser sich künftig aber registrieren.

Christopher Mayer, Herausgeber des „Boston Globe“, erklärt seine neue „Zwei-Marken-Strategie“ in einer Pressemitteilung mit den unterschiedlichen Bedürfnissen seiner User: „Unsere Marktforschung hat ergeben, dass Boston.com unterschiedliche Nutzertypen anzieht. Bei manchen Lesern liegt das Hauptinteresse in aktuellen Nachrichten und Freizeittipps. Andere wollen das Gesamtangebot des ,Boston Globe’.“ Die weiterhin kostenlose Seite Boston.com will Mayer zu einem Portal für Lokales machen, mit Nachrichten, Sport, Wetter, Freizeittipps. Von dieser Mischung erhofft er sich ein attraktives Werbeumfeld für Kleinanzeigen.

In den USA haben bereits einige Zeitungen im Netz auf Paid Content umgestellt. Prominentestes Beispiel ist das „Wall Street Journal“. Auch die „New York Times“, die wie der „Globe“ der New York Times Company gehört, steigt ab 2011 um. Dort wird ein gestuftes Bezahlmodell favorisiert: Nicht-Abonnenten dürfen nur noch eine bestimmte Anzahl von Artikeln umsonst lesen, wer mehr will, wird zur Kasse gebeten.Christian Helten

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