Dschungelbuch (8) : Sechs Lektionen des Lebens

Penisneid, Charakterstärke, häusliche Gewalt: Wenn selbst Uni-Wissenschaftler schon das Camp analysieren, lernt auch die einschaltkräftige jugendliche Zielgruppe jede Menge dazu. Unsere Autorin Annette Kögel hat die sechs wesentlichen Lektionen aus dem Dschungelcamp zusammengefasst.

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Die elf Kandidaten der siebten Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". oben v.li.: Iris Klein, Helmut Berger, Fiona Erdmann, Joey Heindle, Georgina, Patrick Nuo: unten v.li.: Arno Funke, Claudelle Deckert, Olivia Jones, Silva Gonzales, Allegra CurtisWeitere Bilder anzeigen
Foto: RTL
12.01.2013 15:27Die elf Kandidaten der siebten Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". oben v.li.: Iris Klein, Helmut...

Man lernt doch nie aus, RTL sei Dank. Jetzt wissen Eltern und Lehrer, warum der TV-Gucker-Nachwuchs morgens kaum die Augen aufbekommt. Kitakinder, Grundschulkameraden und noch Oberstufenschüler gucken vergleichsweise besonders häufig heimlich bis Mitternacht am Bildschirm oder mit dem Smartphone unter der Bettdecke Dschungelcamp. Deswegen am Anfang - Boulevarddenke nur mal kurz aus, Taschenrechnerhirn an - ein paar Statistiken: Die Quotenmesser von Media Control im von Australien weit entfernten Baden-Baden haben herausgefunden, dass vor allem das weibliche Publikum für "die tollen Werte" verantwortlich ist. Mit rund 210 000 Mädchen zwischen drei (!) und 13 Jahren gucken rund 50000 Zuschauerinnen, also 30 Prozent mehr Töchter „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Schalteten vergangene Runde noch 3,57 Millionen Frauen ab 14 Jahre ein, so waren es 2013 allein während der ersten drei Folgen je 4,07 Millionen – rund eine halbe Million mehr. Gemeinsam mit den 14- bis 19-jährigen Frauen (56,6 Prozent) holen die Dschungelprinzessinnen am Schirm die mit Abstand höchsten Marktanteile.

Ob all die Mädchen und jungen Frauen traurig sind, dass Poser Silva Freitagnacht als erster der elf Pseudofreunde rausgewählt wurde? Aber - halt: Die Mädels haben den so oft angestrengt wirkenden Salvenlachsack ja selbst aus dem Programm entsorgt. Und so hält das Dschungelcamp 2013 doch überraschend wieder einige Lektionen in Sachen Lebenskunde bereit.

Gender Studies - Tränen lügen nicht
Keiner weint im Camp so schön wie Camp-Benjamin Joey und sammelt damit zugleich so viele Sympathiepunkte. Jungs dürfen also auch Taschentücher zücken - oder ein breites Tropenblatt, wir sind ja im Dschungel. Da kommen auch Patrick in der Große-Bruder-Rolle wie Freitagabend in Deutschland die Tränen. Also: Schwach ist stark.

Die Kandidaten des Dschungelcamps 2013
Die elf Kandidaten der siebten Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". oben v.li.: Iris Klein, Helmut Berger, Fiona Erdmann, Joey Heindle, Georgina, Patrick Nuo: unten v.li.: Arno Funke, Claudelle Deckert, Olivia Jones, Silva Gonzales, Allegra CurtisWeitere Bilder anzeigen
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12.01.2013 15:27Die elf Kandidaten der siebten Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". oben v.li.: Iris Klein, Helmut...

Kommunikationswissenschaft - Trau dich
Wer Probleme nicht ausspricht, bleibt mit ihnen alleine sitzen. Joey fühlt sich schwächer, nur weil er jünger ist, gab er zu. Sein Körper ist von Narben übersät, weil sein Vater ihn als Kind "durch die Küchenscheibe geboxt hat" und ihm - der Sänger hebt die linke Hand - "vier Finger gebrochen hat". Darüber weint auch Claudelle, von der RTL den Zuschauern bislang noch nicht wirklich viel zusammengeschnitten hat. Sie offenbart am Freitag aber, dass sie drei Jahre lang auf einen Heiratsschwindler hereingefallen war. 100 000 Euro hat das sie und ihre Familie gekostet. Jetzt seien ihre Antennen aber aufgestellt und sie gucke anders hinter die Kulissen. Also immer raus mit der Sprache, Mädels und Jungs, andere haben hinter cooler Fassade auch Probleme.

Menschenkenntnis - vom Außenseiter zum Spitzenreiter
Georgina haben die Zuschauer doch nur sieben Mal in die Dschungelprüfung gewählt, um sie weltrekordmäßig leiden zu sehen, sagt das abgemagerte "Hundeknochenmodel" Fiona (Läster-O-Ton Iris) am Freitag. Und irrt. Die Frau ist zwar nicht der Sympathiebolzen, aber sie weiß, was sie will und kann eigene Grenzen setzen. Das ist im Leben schon mal viel wert. Zur aktuellen Camp-Halbzeit geht sie, immer mutiger, bei ihrer siebten Dschungelprüfung schon mit Krokodil, Schlange, Spinne und Strauß auf Tuchfühlung, nur der ekelig stinkend, mit totem Fleisch ausgekleideter "Dschungelhotel-Zimmer" ist ihr zu viel.

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