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eBooks,Tablets und Co. : Buch trifft Bildschirm

07.10.2011 16:19 Uhrvon und
Buch oder E-Book, das ist hier die Frage: Nicht zuletzt das "Kindle" von Amazon jagt dem gedruckten Buch Marktanteile ab.Bild vergrößern
Buch oder E-Book, das ist hier die Frage: Nicht zuletzt das "Kindle" von Amazon jagt dem gedruckten Buch Marktanteile ab. - Foto: dpa

Sie liest nicht mehr auf Papier, er hat einen Verlag übernommen: Die Bloggerin Kathrin Passig und "Matthes & Seitz"-Verleger Andreas Rötzer im Gespräch über Lesekulturen.

Herr Rötzer, Frau Passig hat mal geschrieben, sobald das Lesen nicht mehr zwingend ein physisches Medium erfordert, wird das Besitzen von Büchern uninteressanter. Stimmt das?
ANDREAS RÖTZER: Es bekommt zumindest einen anderen Stellenwert. Ich glaube, dass Teile der Buchproduktion eine andere Wertigkeit bekommen werden. Etwa, indem man sogar stärker auf Materialität setzt, indem man stärker auf den Sammlungscharakter Wert legt.

Gibt es Bereiche, bei denen man hingegen sagen würde: Die müssen eigentlich nur digital vorhanden zu sein?
ANDREAS RÖTZER: Vermutlich Zeitungsartikel und alle Texte, die dafür geschrieben sind, Tages- oder Wochenaktualität zu haben.

Keine, die länger Bestand haben sollen. Dafür ist das Medium Buch schon geeigneter.

Was sind das für Texte, die ins Medium Buch streben?
ANDREAS RÖTZER: Texte mit einer eigenen Form der Literarizität, die an das Medium Buch gebunden ist. Und so etwas wie Lexika oder wissenschaftliche Standardwerke. Dafür halte ich das Buch immer noch für am geeignetsten.

Frau Passig, gibt es Texte, die als Buch einfach am besten funktionieren?
KATHRIN PASSIG: Nein, das überzeugt mich nicht. Ich habe neulich im Netz ein Zitat aus einem Text von Johannes – Name vergessen – Abt von Sponheim, aus dem Mittelalter gefunden. Der macht sich Gedanken darüber, dass dieser neumodische Buchdruck ja keine Zukunft hat, weil so ein Buch nur 200 bis 300 Jahre hält, etwas, was ordentlich auf Pergament geschrieben ist, aber 1000 Jahre ...

ANDREAS RÖTZER: ... womit er ja nicht unrecht hat ...

KATHRIN PASSIG: ... womit er völlig recht hat. Das hat auch seine Berechtigung, allerdings vor dem Hintergrund, dass dieser Abt es seiner Religion gemäß annahm, dass es ewige Wahrheiten gibt. Und wenn man die einmal hingeschrieben hat, hat es Sinn, dass sie 1000 Jahre Bestand haben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Annahme in außerreligiösen Kreisen noch so Gültigkeit hat und ob irgendwas, was wir heute produzieren, auch nur zehn Jahre später noch so erhaltenswert ist, außer für historische Zwecke. Wir produzieren einfach keine Wahrheiten mehr, von denen wir glauben, dass sie in tausend Jahren noch gebraucht werden.

ANDREAS RÖTZER: Schade für unser Zeitalter eigentlich.

KATHRIN PASSIG: Ich glaube nicht, dass es das Qualitätskriterium für einen Gedanken ist, dass er auch in 300 Jahren noch richtig sein muss. Ich glaube, man kann sehr gute Ideen haben, die genau von jetzt bis nächsten Sommer richtig sind und danach nicht mehr. Die flüchtigen Medien eignen sich viel besser dazu, Themen in einer Konversation, in einem Prozess, zu behandeln. Wir leben nicht mehr in einem mittelalterlichen Kloster.

Die Bloggerin: "Wir leben nicht mehr in mittelalterlichen Klöstern."Bild vergrößern
Die Bloggerin: "Wir leben nicht mehr in mittelalterlichen Klöstern." - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Brauchen wir also gar keine gedruckten Texte mehr, weil wir keine mittelalterlichen Äbte sind?
ANDREAS RÖTZER: Es ist klar, dass jedes neue Medium das alte nicht komplett ersetzt. Das Kino hat das Theater nicht ersetzt und die Fotografie nicht die Malerei.

KATHRIN PASSIG: Das sind aber zwei sehr schmeichelhafte Beispiele. Das Theater ist heutzutage ein hoch subventioniertes Geschäft.

ANDREAS RÖTZER: Es gibt ja genug Off-Theater. Es gibt ein sinnliches Bedürfnis danach.

KATHRIN PASSIG: Man kann aber leicht viele andere Beispiele finden, in denen die durch den Fortschritt abgelöste Technik ein Nischendasein in irgendwelchen Handarbeitsecken fristet. Das Weben von Hand oder das Pferdehalten zum Beispiel. Das gibt es zwar noch, aber es ist nicht die Branche, die es vor 100 Jahren gewesen ist. Und das ist ja für die Buchbranche von Interesse. Nicht: Wird es noch kleine mit Faden geheftete Liebhaberbände geben? Sondern: Wird die Branche in einer Form existieren, die noch im Entferntesten etwas mit ihrer heutigen Form zu tun hat?

ANDREAS RÖTZER: Ich glaube, es wird stark an den Texten liegen. Jeder Text braucht ein bestimmtes Medium. Man kann einen Text nicht eins zu eins ohne Bedeutungsverlust in ein anderes Medium transferieren. Egal, ob vom gedruckten Buch ins Hörbuch oder ins E-Book oder sonst wohin. Ich glaube nicht an den vom Material losgelösten Gedanken.

Am PC zu lesen hat Vorteile, behauptet Kathrin Passig. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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