Ecclestone gibt nach : RTL bekommt Formel 1 für rund die Hälfte

Zum Schnäppchenpreis: RTL muss für die Formel-1-Rechte in den nächsten beiden Jahren nur rund 25 statt der bisherigen 50 Millionen Euro zahlen. Bernie Ecclestone ist dennoch zufrieden, dass die Rennserie in Deutschland weiterhin im Free-TV zu sehen ist.

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Wieder beste Freunde: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (links) und RTL-Programmchef Frank Hoffmann. Foto: Imagao
Wieder beste Freunde: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (links) und RTL-Programmchef Frank Hoffmann. Foto: ImagaoFoto: imago/LAT Photographic

Die Fakten waren schon am Donnerstag im Fahrerlager in Spa durchgesickert: RTL hat nach langen Verhandlungen den TV-Vertrag mit der Formel 1 verlängert – um zwei Jahre, plus einer Option auf weitere zwei Jahre. Den zweiten Teil, die genaue Länge der Option, wollte RTL-Programm-Geschäftsführer Frank Hoffmann – dann auf der offiziellen Pressekonferenz zusammen mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone – zwar nicht bestätigen. Dafür erklärte er recht ausführlich, warum man stolz darauf sei, im nächsten Jahr dann 25 Jahre RTL und Formel-1-Übertragungen feiern zu können. „Die Formel 1 gehört zu den fünf Top-Sportarten im TV – und drei davon laufen bei RTL.“

Auch die sinkenden Einschaltquoten – zuletzt meist zwischen 4,5 und fünf Millionen – müsse man differenziert betrachten: „Sicher, die Formel 1 hatte 2001 einen Peak mit über zehn Millionen Zuschauern pro Rennen. Aber damals hat auch ein Blockbuster-Film eine Quote von 7,6 Millionen gehabt – und heute hat er 3,5 oder so was.“

Was vielen langjährigen Formel-1-Beobachtern auffiel: Noch nie wurde eine Verlängerung eines TV-Vertrages hier mit solchem Aufwand und Brimborium präsentiert wie diese. Sogar die drei deutschen Fahrer Sebastian Vettel, Nico Rosberg und Nico Hülkenberg mussten zum offiziellen „Verkündungsfoto“ antanzen, RTL durfte seine „Werbestelen“ im offiziellen Fia-Pressekonferenzraum präsentieren – äußerst ungewöhnlich in der streng reglementierten Formel-1-Welt.

Eindeutig, dass da auch politische Signale gesendet werden sollten. Für RTL ist es sicherlich ein Erfolg, Ecclestone auf eine Summe heruntergehandelt zu haben, die wohl nur noch etwas über die Hälfte von dem beträgt, was in der Vergangenheit bezahlt worden war – man spricht von jetzt 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr. „Ich freue mich, dass RTL in dieser schwierigen Zeit den Mut bewiesen hat, weiter auf die Formel 1 zu setzen“, so der Formel-1-Boss, der sich einen leichten Seitenhieb aber doch nicht verkneifen konnte. Mit Blick auf Hoffmann meinte er: „Auch wenn ihr nicht das bezahlt, was wir eigentlich wert sind.“

Die Zeit der "Mondpreise" für die Formel-1-Rechte ist vorbei

Andererseits setzte auch Ecclestone mit seinem ungewohnten „Nachgeben“ ein Zeichen: Dass er nämlich doch verstanden hat, wie wichtig das Free-TV für die Formel 1 weiterhin ist – gerade in Zeiten von nachlassendem Interesse und viel Krisengerede und auch tatsächlicher Krisenstimmung. Erfahrungen aus anderen Ländern, unter anderem Frankreich, wo die Formel 1 zeitweise oder andauernd im Pay-TV verschwand, sind Negativ-Beispiele. Und Ecclestone muss fürchten, dass auch weitere TV-Stationen nicht mehr bereit sind, seine „Mondpreise“ zu bezahlen. Die Verträge des Schweizer und des Österreichischen Fernsehens laufen Ende 2016 aus, die Chancen auf Verlängerung zumindest zu den gegenwärtigen Konditionen liegen wohl in beiden Fällen bei maximal zehn Prozent...

Kleine Pointe am Rande übrigens: Genau zur Zeit der RTL-Pressekonferenz in Spa verschickte auch Sky Deutschland seine Pressemitteilung, in den nächsten beiden Jahren die Formel 1 ebenfalls weiterhin live zu übertragen. Eine Lösung wie in England, wo sich mit BBC und Sky ein Free- und ein Pay-TV-Sender die Live-Übertragungen mehr oder weniger aufteilen, wäre für Deutschland im übrigen wohl nicht möglich gewesen: Beide Sender hatten immer wieder durchblicken lassen, damit nicht einverstanden zu sein...

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