Medien : „Edmund! Edmund!“

Der strahlendste Stoiber aller Zeiten, Mitleid mit Maget: Die Bayernwahl im Fernsehen

Désirée Bethge

Sonntag, 17 Uhr 30. Im Bayerischen Fernsehen gibt’s Landtags-Wahl satt – bei mir Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl (für Preußen: Frikadellen oder Buletten) und den Auftrag, mir das anzuschauen.

Ja, wo sind die denn da? Ich sehe in eine Art herrschaftliches Wohnbüro. Unruhig wirkt es – die Technik vor irgendwelchen bayerischen Helden, die in Öl da herum- hängen, aha, der Lesesaal vom Maximilianeum ist das.

Eines ist klar – wenn man so lang sendet, bis Mitternacht nämlich, hat jeder Lokal-Politiker mal die Chance, vor die Kamera zu kommen, und jeder einigermaßen trittfeste Reporter mit der Fähigkeit, unfallfreie Sätze zu sprechen, ebenfalls. Bisweilen hatte das was von Loriot.

Kennen Sie Herrn Ettengruber, Konrad Kobler, Karl Döhler Helga van Ooijen, Marianne Scharfenberg? Dachte ich mir! Und wir haben die Runden. Moderiert in Doppel-Funktion von Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Wie ein Kasperl tritt er mal im bayerischen Dritten, mal in der ARD auf.

Im Landtags-Wahlstudio schaltet Andreas Bönte flugs umher, „um eine Dynamik zu machen“. Zwischendurch werden Übergaben leicht versemmelt – der Reporter ist drauf, der Ton nicht – oder halt der Ton von jemand anderem, auch interessant. Bayern hat auch zwei Finanzminister, den Huber und den Falthauser, aha, haben wir vorher nicht gewusst.

Und als klar ist – über 61 Prozent, wahrscheinlich 62 Prozent –, da tobt die CSU und selbst die Fernsehjournalisten haben Mitleid mit dem Franz Maget. Ja , der Gottlieb hat ihn recht lieb, denn der Arme hatte keine Chance, wegen Schröder. „Sie hatten ja keine Chance ….“, fast sinkt der ihm an die Brust, der Maget an dem Gottlieb seine.

18 Uhr 30, Einzug Stoiber. Die Menge skandiert: „Stoiber!Stoiber!“ und „Edmund!Edmund!“ während er ans Mikro strebt, Ehefrau Karin dabei, beide jetzt im kleinen Grauen, sie deutlich gezeichnet von den Strapazen mit dem Helden an ihrer Seite.

Und ich sehe Edmund Stoiber zum ersten Mal rückhaltlos strahlen. Ohne Einschränkungen, ohne Distanz – ja, da schau her, der kann das doch! Ja, was hätte der Spreng sich gefreut über einen solchen Stoiber! Aber der macht das nicht unter 61 Prozent – na, in jedem Falle, ich hab’s aufgezeichnet, vielleicht braucht er es ja wieder, wenn er dann doch gen Berlin zieht. Aber das verliert sich wieder im Laufe des Abends, da ist er dann wie immer, schade eigentlich.

19 Uhr 30, ARD. In der „Berliner Runde“ ist Goppel zugeschaltet, die Generäle der Parteien sitzen da und von den Grünen die Bundesgeschäftsführerin.

Und die machen weiter Wahlkampf. Scholz erklärt gebetsmühlenartig, die Reformen würden klappen und die Union würde mitmachen, der Meyer schüttelt dazu immer nur den Kopf, mit Sicherheit nicht!, der Goppel fordert Bußfertigkeit von der SPD, Pieper ist erregt, und Thomas Roth fordert: bitte einer nach dem anderen, sonst versteht man Sie doch nicht! Wieder im Bayerischen Fernsehen. Da gibt’s noch immerzu Runden; man nehme einen Hoderlein (SPD), einen Goppel (CSU) und einen Daxenberger (Grüne). Oder eine Hohlmeier, eine Scheel und einen Glück. Oder Glück, Maget und Dürr.

Das kann man dann auch anders mischen, geht auch.

Was waren die Schlagworte des Abends: große Verantwortung, noch mehr Verantwortung, Erfolgsmodell Bayern; Chaos in Berlin, rot-günes; tapfer gekämpft, und Geschlossenheit der Bundes- und Landesgrünen, die K-Frage, die P-Frage (Stoiber for president), alles kein Thema für die CSU …

Was bedeutet das denn nun? Das fragte Sabine Christiansen um 22 Uhr im Ersten. Es antworteten – leicht verkürzt: Roland Koch – „Die Bürger wollen eine andere Regierung“. Wowereit – „Eine Änderung des Reformkurses wird es nicht geben“. Wiethold von Verdi – „SPD steht nicht mehr für soziale Gerechtkeit!“ Von Pierer – „Refomen müssen sein, alle müssen mitmachen.“ Professor Falter – „Politische Führung muss Reformen durchsetzen, auch gegen die Bürger.“ So. Danach war Stoiber vom Tisch.

23 Uhr. Letzter Check in Bayerns Drittem. Andreas Bönte hatte es gesagt, schauen wir nach den neuen „Ergebnissen, die uns wieder eingetrudelt sind.“ Ja, da muss sich der Hoderlein grämen, dem der Wahlkreis abhanden gekommen ist, der Maget auch. Und eigentlich hatte der Bayerische Rundfunk ja auch längst herausgefunden, wieso das ausging, wie es ausging. Weil: Die SPD passt nicht zu Bayern.

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