Medien : Ein Meister des kritischen Realismus

Nachträglich: Ein Gruß des Filmmuseums Berlin zum 75. Geburtstag des Redakteurs, Regisseurs und Autors Egon Monk

Karl Prümm

Heute ehrt das Filmmuseum Berlin den Regisseur Egon Monk, der am 18. Mai dieses Jahres seinen 75. Geburtstag begangen hat, ihn aber wegen Krankheit nicht feiern konnte. Im im Arsenal wird, um 19 Uhr 30, ein Film von Egon Monk gezeigt: „Berlin N 65“, sein Beitrag zu dem Episodenfilm „Der Augenblick des Friedens“ (1965). Das Werk vereint subjektive Sichtweisen verschiedener Autoren auf den historischen Moment 1945, als die Waffen schwiegen. Eigentlich sollte Wolfgang Koeppen das Drehbuch zur deutschen Episode schreiben. Koeppen lieferte nicht, deshalb musste Egon Monk einspringen. Da die Zeit drängte, erzählte Monk sein eigenes Kriegsende: Die Hausgemeinschaft einer Mietskaserne im Wedding erwartet voller Angst und Bangen im Luftschutzkeller die heranrückenden russischen Truppen. Ein blasser junger Mann ist mittendrin und steht doch merkwürdig abseits: Egon Monk. Der will zum Film und schafft das auch: Er wird von 1945 bis 1947 bei der Defa zum Schauspieler und Regisseur ausgebildet.

1949 erfüllt sich für ihn ein Traum. Bertolt Brecht nimmt ihn in das Berliner Ensemble auf, macht ihn zu seinem Schüler und Assistenten. Brecht dabei zuzusehen, wie er seine Inszenierungen entwickelt, im Dialog die Gesten der Schauspieler ausprobiert, wie er das auf der Bühne Sichtbare vom Zuschauer her denkt und entwirft, ist für Monk eine beglückende Erfahrung; und es weckt die eigene Kreativität. Monk tut das, was Brecht verwehrt war: Er überträgt die Ästhetik des analytischen Zeigens auf die filmische Form, erprobt die offenen Dramaturgien im Medium der Konformität, im Fernsehen.

Das halsbrecherische Experiment gelingt. Seit 1960, nach einem Zwischenspiel als Hörspielautor und -regisseur, ist Monk Leiter der neugegründeten Fernsehspielabteilung des NDR. Konsequent erarbeitet er ein Redaktionsprogramm, das schnell als „Hamburgische Dramaturgie“ repräsentativen Charakter gewinnt. Monk begreift das Fernsehen als radikaldemokratisches Forum der Veränderung. Er will erstarrte Mentalitäten aufbrechen, den Glauben gegenüber Staat und Obrigkeit erschüttern, unangenehme Fragen stellen. Er fördert Eberhard Fechners frühe Dokumentarfilme und führt schließlich selbst Regie. Sein wichtigster Film „Ein Tag“ (1965) konfrontiert die Zuschauer eindringlich mit der Alltagsrealität eines Konzentrationslagers, das als Perversion des Militärischen und des Bürokratischen enthüllt wird. Monk gehört mit Gert von Paczensky, Günter Gaus und Roman Brodmann zur zweiten Gründergeneration des Fernsehens, die dem etablierten Medium Profil und Schärfe verliehen. Später, nach einem Zwischenspiel in der Intendanz des Hamburger Schauspielhauses, entstehen große, großartige Literaturadaptionen: „ Bauern, Bonzen und Bomben“ (1973, nach Hans Fallada) oder „Die Bertinis“ (1992, nach Ralph Giordano).

Noch will Egon Monk vom Erzählen in Bildern nicht lassen. Nach schwerer Krankheit genesen, arbeitet er an einem autobiografischen Text: „Café Léon“, der im Berlin der 40er Jahre angesiedelt ist und an den Augenblick des Friedens anknüpft.

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