Medien : Ein Missverständnis namens Schmidt

Matthias Kalle

Report Mainz. ARD. Eines der Missverständnisse über das Fernsehen lautet: Es sollte schon Sinn machen, mindestens aber einen Erkenntnisgewinn liefern. Das ist Unsinn, das Fernsehen muss keinen Sinn machen, tatsächlich sind die großen Fernsehmomente die, die nichts bedeuten: Als in Madrid, bei einem Champions-League-Spiel ein Tor umfiel, moderierten Günther Jauch und Marcel Reif einen Quatsch zusammen, dass es eine wahre Freude war. Jeder, der es gesehen hat, vergisst es sein Lebtag nicht mehr. An welche Shows von Harald Schmidt erinnert man sich? Als er auf Französisch moderierte; als er eine Sendung im Dunkeln machte; als er in einem Zelt saß, um sich so vor Samuel Beckett zu verneigen.

An Harald Schmidts Moderation von „Report Mainz“ am Montag wird man sich nicht erinnern, man sollte sie so schnell wie möglich vergessen, denn sie beschädigt die Leistung, die Schmidt seit ein paar Wochen abliefert: Er hat seine Show in der ARD endlich im Griff, seine letzten Auftritte hatten Tempo, Brillanz, Wahnsinn. Und als er am Sonntag in der Sendung von Sabine Christiansen war, in der es um die Deutschen und ihr Land ging, faszinierte er mit seiner Eloquenz die Moderatorin und die Gäste wie Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Den Zuschauern gab er wieder einen dieser Momente, wo sie vor dem Fernseher sitzen und sagen: „Dieser Schmidt! Sagenhaft!“ Ähnliches wird kein Mensch am Montag ernsthaft auch nur gedacht haben.

Warum? Weil ein Ironiker seiner Güte an so einer Sendung scheitern muss, weil sein Versuch, dieser Sendung den Sinn zu entziehen, scheiterte. Am Anfang sagte Schmidt, wenn einer wie er ein politisches Magazin moderieren dürfe, dann sei „der kritische Journalismus auf einem guten Weg“. Den Zweiflern versprach er, dass er von Politik mehr Ahnung habe als vom Wintersport. Glaubt man sofort, nur: Das ist kein Kriterium, um unfallfrei so eine Sendung zu moderieren, in der man vielleicht eine Minute hat, um einen Beitrag anzukündigen. Schmidts Hauptproblem: Offensichtlich interessierten ihn die sieben Berichte überhaupt nicht – Robbenjagd, Linksextremismus, Gaus und die DDR, Hooligans. Am Ende hustete Schmidt und verließ das Studio.

In einem Radio-Interview am Montag sagte Schmidt, dass er sich nach Sport und Politik in der ARD endlich auch der Kultur zuwenden wolle. Bei der Eröffnung des neuen „Hauses für Mozart“ bei den Salzburger Festspielen , die der Sender überträgt, werde er „einführende Worte“ sprechen. Dann sagte Schmidt noch: „Also man muss ja auch dann gucken, dass man rechtzeitig wieder weg ist, bevor die Leute merken, dass man doch nicht so ganz in der Materie ist.“ Und wenn man zu irgendetwas einfach keinen Bock hat, dann kann man auch mal schön zu Hause bleiben.

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