Medien : Ein Traum von Insel

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Norbert Thomma über eine

neue Geschäftsidee des Tagesspiegel

Vergangenen Sonntag war im Tagesspiegel die Überschrift zu lesen: „Unreif für die Insel". Sie stand im Ressort Sport wegen des 1:1 der Deutschen gegen Berti Vogts’ Schotten. In der gestern erschienenen „Zeit" findet sich im Ressort Leben ein Artikel, der sich mit Aussteigern auf einem schottischen „Eiland" („Zeit") beschäftigt. Überschrift dazu: „Unreif für die Insel".

In beklagenswerter Weise häufen sich im deutschen Journalismus die Fälle von Überschriftendiebstahl.

Kürzlich gab es im „Stern" ein langes Porträt von Joschka Fischer. Die Überschrift lautete „Ich habe einen Traum". Auf der Seite daneben war der Außenminister mit geschlossenen Augen zu sehen, ein entrücktes MonaLisa-Lächeln auf den Lippen. In der folgenden „Zeit" erklärt die Redaktion, „Nachahmung ist die aufrichtigste Form des Kompliments". Seit vier Jahren, respektive 208 Mal nämlich erscheine die feste Rubrik „Ich habe einen Traum" geschlossenen Auges im „Zeit"-Ressort Leben.

Schon längere Zeit befinden sich die Medien in einer ökonomischen Krise. Nun gehen ihnen offenbar auch noch die Überschriften aus. Der Tagesspiegel zieht daraus die Konsequenzen. Er meldet für folgende Titel und Überschriften Urheberrecht an und wird sie an geeignete Medienobjekte oder Unternehmen verkaufen (mögl. Bsp. in Kl.):

Ich habe einen Flaum (Bravo)

Ich habe einen Raum (Schöner Wohnen)

Ich habe einen Daum (Kicker)

Ich habe einen Baum (Partner Hund)

Ich habe einen Zaum (Reiter-Revue)

Ich habe einen Schaum (Gillette)

Ich habe einen Saum (Burda Moden)

Unreif für den Pinsel (Selbst ist der Mann)

Unreif fürs Gerinsel (Apothekerzeitung)

Unreif fürs Gewinsel (Domina-News)

Interessenten melden sich bitte schriftlich bei: Verlag Der Tagesspiegel, 10876 Berlin, Kennwort: „Inseltraum".

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