Medien : Ein überladenes Schlachtengemälde

Johannes Völz

Es bringt diesen Mann niemand von seinem Weg ab. Film für Film nähert sich Guido Knopp seinem Ziel, Geschichte in dünne Scheiben zu schneiden, sie knusprig zu rösten, ja, Kartoffelchips aus ihr zu machen. Ein Biss, ein Krachen, und dann schnell runterspülen: Dokutainment, so heißt das.

In Sachen Spannung hat Knopp die Maßstäbe mit beinahe jeder Reihe weiter nach oben geschraubt, doch von nun an wird es ihm schwer fallen, sich weiter zu überbieten: Denn heute Abend startet im ZDF seine Serie "Der Jahrhundertkrieg" - nach Reihen wie "Hitlers Helfer", "Hitlers Krieger" und "Hitlers Kinder" der neunte Anlauf, die Nazi-Herrschaft und ihre Folgen effektvoll in Szene zu setzen. Hautnah dürfen wir dabei sein beim großen Schlachten, mit Archivaufnahmen kämpfender Soldaten, Erinnerungen von Zeitzeugen und jeder Menge Trommelwirbel. 21 Folgen über den Zweiten Weltkrieg sind insgesamt geplant, gedreht von einer ganzen Schar von Dokumentarfilmern, konzipiert von Guido Knopp. Die ersten neun davon zeigt das ZDF bis Ende März, an drei Dienstagen im Monat um 20 Uhr 15.

Die erste Folge heute Abend, bei der Jörg Müllner Regie führte, erinnert an den Kinohit "Titanic": Denn jenes U-Boot, das schon das Wrack der Titanic fand, tauchte für das ZDF erneut auf den Grund des Atlantiks, um das untergegangene deutsche Flaggschiff "Bismarck" zu filmen. Der Off-Text dazu klingt wie eine Aneinanderreihung von Schlagzeilen, mit Paukenschlägen am Zeilenende: "Hitlers gefährlichstes Schiff: bedrohlich bis heute - Hitlers Trumpf in der Atlantikschlacht - die Bismarck: ein Angstgegner". Weil im Krieg alles ganz schnell geht, wechseln auch die Einstellungen blitzartig: Kurz die knatternde Bismarck, dann ein Satz von einem englischen Kampfflieger, dann zurück zur Schlacht.

Für ein Ereignis von geradezu politischer Bedeutung hält Knopp seine neue Reihe. Denn die erste Staffel ist als Koproduktion mit dem amerikanischen "History Channel" entstanden. Koproduktion, das heißt hier: Das ZDF machte die Arbeit und bekam ein wenig amerikanische Unterstützung beim Forschen. Im Herbst zeigt auch der History Channel die Filme. Vor zehn Jahren, sagt Knopp, sei es noch nicht vorstellbar gewesen, dass eine Filmreihe über den Zweiten Weltkrieg für ein internationales Publikum aus Deutschland kommt. Natürlich muss sich Knopp dem Verdacht stellen, er habe den Film deshalb so kurzatmig geschnitten, damit er auch in den USA ankommt. Doch da protestiert Knopp heftig. Recht hat er, schließlich hat er die Amerikaner an Hektik längst eingeholt.

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