Ein Urteil für den Müll : E-Mail-Nutzer müssen Spam-Ordner kontrollieren

Monatelang nicht in den Spam-Ordner Ihres E-Mail-Postfaches geschaut? Das könnte teuer werden. Warum eine Entscheidung des Bonner Landgerichts unser Mailverhalten ändern könnte.

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Der Filter unseres Autors: bisschen Gucci. bisschen Genitalverlängerung.
Der Filter unseres Autors: bisschen Gucci. bisschen Genitalverlängerung.privat

Dass sich Urteile mit Internetbezug nicht immer dem gesunden Menschenverstand erschließen, ahne ich, seit eine Münchner Rentnerin vor zwei Jahren 651,80 Euro Abmahnungsgebühren wegen illegalen Filesharings zahlen musste. Die Frau besaß zwar keinen Computer, keinen Router und kein W-Lan, soll sich aber dennoch auf der Tauschbörse „eDonkey2000“ einen raubkopierten Film über Hooligans ergaunert haben. Das Amtsgericht München gab damals den Abmahnern recht. So gesehen hat es diese Woche wenig überrascht, als das Landgericht Bonn ein weiteres wegweisendes Terrorurteil gesprochen hat: 90 000 Euro Schadenersatz muss ein Anwalt zahlen, weil er eine Mail, die unglücklicherweise in seinem Spamordner gelandet war, nicht rechtzeitig an seinen Mandanten weitergeleitet hat. Der Richter entschied, der beklagte Anwalt hätte selbstverständlich jeden Tag einen Blick dort reinwerfen müssen. 

Das gelte übrigens auch für andere Branchen. „Bei der Unterhaltung eines geschäftlichen E-Mail-Kontos mit aktiviertem Spamfilter muss der E-Mail-Kontoinhaber seinen Spamordner täglich durchsehen, um versehentlich als Werbung aussortierte E-Mails zurückzuholen“, steht in dem Urteil.

Blick in den Ordner: vier Angebote für Penisverlängerungen

Bei dem Gedanken daran, wie viele dringende Mails sich in meinem eigenen Spamordner befinden könnten, wie viele Finanzamtmahnungen, Klempnerrechnungen oder Anwaltsschreiben ich ignoriert habe und wie ruinös das jetzt für mich ausgehen könnte, wurde mir ziemlich schlecht. Denn ehrlich gesagt: Jeden Tag habe ich diesen Ordner in der Vergangenheit nicht durchgesehen. Eher wöchentlich oder monatlich, oder, noch ehrlicher, höchstens einmal im Jahr. Als G-Mail-Nutzer war ich froh, dass die Filtereinstellungen in den letzten Jahren offensichtlich so präzise und effektiv weiterentwickelt wurden, dass Quatschmails und bescheuerte Werbeangebote inzwischen weitgehend von mir ferngehalten werden. Lass G-Mail mal machen, habe ich stets gedacht! Und mich damit womöglich ins Verderben gestürzt.

Blick in den Ordner: vier Angebote für Penisverlängerungen, Top-Quality-Luxusuhren, verdächtig preiswerte Smartphones, irgendwas mit Lichtenergie zum Abnehmen. „Downsize your dress today, Sebastian Leber“. Vermutlich fange ich mir beim Öffnen jeder dritten Spammail einen neuen Trojaner ein, aber wenn der Schlauberger aus Bonn das so haben will, bitte schön. Immerhin findet sich nichts, was halbwegs offiziell aussieht. Glück gehabt.

Meine Freundin sagt übrigens, ich solle mich nicht so anstellen, das Urteil des Landesgerichts sei doch bloß die logische Überführung des Postrechts ins digitale Zeitalter. Den eigenen Briefkasten müsse man schließlich auch regelmäßig leeren! Wenn die wüsste.

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